juh's Sudelbuch


juh's Sudelbuch

2018: das Coop-Jahr

03.12.2018 - Lesezeit ca. 3 Minuten

Jahresrückblick: 20 Jahre Sudelbuch Dieses Jahr, im Juni, feierte das Sudelbuch seinen 20sten Geburtstag. Die erste Sudelei erschien am 20.6.1998 und widmete sich dem Ende der Kohl-Ära. Jetzt könnte ich etwas über das Ende der Ära Merkel schreiben, wenn mir das denn wichtig wäre. Etwas anderes ist mir wichtiger. In der Anfangszeit des Sudelbuchs habe ich im Dezember oft einen Jahresrückblick gemacht. Diese Tradition, die zwischenzeitlich eingeschlafen ist, soll mit dieser Sudelei neu belebt werden.

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Tatsächlichere Tatsachen

30.10.2018 - Lesezeit ca. 10 Minuten

Warum Fakten gegen Populismus nicht helfen Der öffentliche Diskurs steckt in einer beispiellosen Krise. Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit – zwei Tugenden, ohne die ein rationaler Diskurs unmöglich wird, werden nicht bloß durch Lügner und Betrüger angegriffen und durch Lüge und Verlogenheit herausgefordert, sie sind als Kategorien praktisch hinweggewischt worden. Zwischen der Lüge und der Wahrheit wird kein Unterschied mehr gemacht und wenn doch noch auf einer Differenz bestanden wird, so haben beide ihre Plätze vertauscht.

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Die Kostenlos-Kultur verwandelt Menschen in Nutztiere

17.09.2018 - Lesezeit ca. 8 Minuten

Deutschland – ein Gemeinwesen macht Platte In der kürzlich veröffentlichten Allensbach-Umfrage Generation Mitte 2018 bezeichnen fast zwei Drittel der Befragten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land als schwach oder sehr schwach. Die Generation Mitte rekrutiert sich nach den Statistikern aus den 30- bis 59-jährigen. Dieses Stimmungsbild ist nach den Zerstörungen, die der Neoliberalismus in unserem Land spätestens seit der Machtübernahme Kohls angerichtet hat, keine Überraschung. Was mich wundert, ist, dass man den Neoliberalismus noch nicht als Ursache unserer Probleme ausgemacht hat.

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So holen wir uns das Internet zurück

25.07.2018 - Lesezeit ca. 10 Minuten

Die Lüge des Plattform-Kapitalismus Der Plattform-Kapitalismus hat uns in den letzten beiden Jahrzehnten eingeredet, dass neue Technologien disruptiv seien, weil sie nicht nur technische, sondern auch soziale Auswirkungen haben. Das ist jedoch eine Lüge. Dafür dass wir den Plattform-Kapitalisten so leicht auf den Leim gegangen sind, gibt es nur eine Entschuldigung: die technische Entwicklung verlief so schnell, dass wir nur zu gerne glaubten, dass ihre Dynamik auch die Ursache für die gesellschaftlichen Verwerfungen gewesen sei, die wir heute beklagen.

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Gemeinsam rocken wir die DSGVO!

25.05.2018 - Lesezeit ca. 4 Minuten

Wenn die Panik um die DSGVO für mich eine positive Seite hatte, dann war es die Bestätigung, dass es richtig war, mich in einer Genossenschaft mit anderen zusammenzuschließen, um meine Websites zu betreiben. Gemeinsam macht der Kampf mit dem bürokratischen Monstrum doch deutlich mehr Spaß. Die historische Dimension Die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist in meiner Erinnerung das erste Gesetz, das so ziemlich jeden in meinem Bekanntenkreis umgetrieben hat. Ich müsste schon bis zur Euro-Einführung zurückgehen, um einen gesetzlichen Einschnitt zu finden, der ähnlich viele Menschen bewegt hat.

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Das Irrationale in der Repräsentation

26.03.2018 - Lesezeit ca. 6 Minuten

Einer der üblichen Gemeinplätze besagt, dass unser komplexes politisches System ohne Repräsentation nicht funktionieren könne. Die repräsentative Demokratie, so will uns diese Aussage weismachen, wird damit zu einem Sachzwang, den man nicht hinterfragen, sondern bloß akzeptieren kann. Da Millionen Bürger aus offensichtlichen, organisatorischen Gründen nicht in der Lage sind, Gesetze zu verabschieden, müssen dies gewählte Vertreter tun. Der Think Tank »Das progressive Zentrum« hat im Dezember 2017 ein ›Diskussionspapier‹ veröffentlicht, in dem die Autoren feststellen, dass die repräsentative Demokratie vor großen Herausforderungen steht.

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Der Taubenschlag in der Hosentasche

08.03.2018 - Lesezeit ca. 3 Minuten

Früher, als man Nachrichten noch mit Hilfe von Brieftauben austauschte, musste man immer Tauben aus dem Taubenschlag seiner Brieffreunde im Käfig haben. In Brieftauben ist nämlich ein unidirektionales Protokoll implementiert. Sie fliegen immer nur zurück zu ihrem eigenen Taubenschlag. Da die artgerechte Haltung von Brieftauben anspruchsvoll und teuer ist, man denke allein an die Kosten für das Vogelfutter, schrieb man sich früher nur dann einen Brief, wenn es wirklich notwendig war.

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An ihren Festen sollt ihr sie erkennen

08.02.2018 - Lesezeit ca. 3 Minuten

Der äthanolgetriebene Straßenkarneval hat begonnen. Nun herrscht die Zeit, die für humorvolle und musikalische Menschen nicht bloß ein vorgezogener Aschermittwoch, keine leicht verlängerte sechsundvierzigtägige Fastenzeit ist, sondern ein ausgewachsenes Purgatorium in den inneren Kreisen der Hölle. Was jetzt auf die Bühnen steigt und von den trunkenen Massen beklatscht wird, muss das übrige Jahr zum Lachen in den Keller gehen und zum Musizieren noch eine Etage tiefer hinabsteigen. Und was in den nächsten Tagen auf den Straßen – die Flasche unter dem Arm – umherläuft, schämt sich sicherlich auch in den übrigen vier Jahreszeiten nicht für seine erbärmlichen Schminkkünste.

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Die Erstürmung der neuen Bastille

13.01.2018 - Lesezeit ca. 5 Minuten

Metzger, Ärzte, Klavierbauer Am 14. Juli 1789 befreite das Lumpenproletariat sieben Häftlinge aus der Bastille, vier Urkundenfälscher, zwei Geisteskranke und einigen Quellen zufolge den Schriftsteller Marquis de Sade, den seine Familie dort hatte einweisen lassen. Der Kommandant der Bastille, Bernard-René Jordan de Launay, der auf die Menge hatte schießen lassen, wobei 90 Personen den Tod fanden, wurde trotz Zusicherung freien Geleits nach seiner Kapitulation von einem Metzger geköpft. Das Oberhaupt des Pariser Magistrats, der Adelige Jacques de Flesselles, der den Kommandanten retten wollte, wurde ebenfalls geköpft.

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Werft die Angel nicht ins Korn!

24.11.2017 - Lesezeit ca. 4 Minuten

Konfuzius sagte: »Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.« Da Fische heute fertig filetiert in der Tiefkühltruhe liegen, besitzt kaum noch jemand eine Angel oder ein Fischernetz. Vom Wissen darum, wie man einen Fisch damit fängt, will ich gar nicht erst sprechen. Dieser Verlust an persönlicher Überlebensfähigkeit wird, so die gängige Erklärung der Sozialwissenschaftler, durch Arbeitsteilung ausgeglichen.

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Was bleibt von der Documenta?

01.11.2017 - Lesezeit ca. 9 Minuten

Es wäre vermessen, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Die Documenta ist ein labyrinthisches Geschehen aus künstlerischen, banausischen und politischen Akten, aus ästhetischen Erfahrungen und kritischen Reflexionen, das einen Zeitraum von 100 Tagen und mehr durchdauert. Und in diesem Jahr fand die Documenta auch gleich zweimal statt, einmal in Kassel und einmal in Athen. Und wer, wie der Autor, nur einen einzigen Tag in Kassel war, sieht bloß die ephemere Momentaufnahme eines kleinen, subjektiven Teils des Ganzen.

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Nachruf auf die Bundesrepublik

25.09.2017 - Lesezeit ca. 2 Minuten

1949 – 2017 Gestern verstarb im Alter von 68 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit die Bundesrepublik Deutschland. Wir nehmen Abschied von einem Land, in dem der Ruf »Nie wieder!« über alle Parteigrenzen hinweg zum Fundament einer Demokratie gehörte, die uns von den Alliierten geschenkt wurde. Menschenhass, völkischer Rassismus und Antisemitismus sollten in diesem Land nie wieder in den Parlamenten ihre hässliche Fratze erheben. Dieser Grundkonsens wurde gestern zerbrochen. Die Bundesrepublik hat es uns nicht immer einfach gemacht.

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