Der Fluch der Mondlandung

Es ist kaum möglich, die Tatsache zu ignorieren, dass vor 50 Jahren ein amerikanischer Soldat erstmals den Mond betrat. Allerdings kann auch niemand die Ernüchterung übersehen, mit der man gerade überall diesen großen Schritt für die Menschheit feiert, der alles andere als das war. Die Mondlandung hat die Menschheit nicht nach vorne, sondern auf Abwege gebracht. Apollo 11 hat meiner Generation Flausen in den Kopf gesetzt. Ich war sechs als die Welt vor den Fernsehgeräten das größte Abenteuer der Menschheit miterlebte. Und wie alle aus meiner Generation habe ich lange Zeit geglaubt, dass es nun so weitergehen würde. In zehn Jahren würden wir auf dem Mars landen und spätestens in 100 Jahren das Sonnensystem verlassen und in Galaxien vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die Hoffnungen, die die Mondlandung geweckt hatte, sind alle enttäuscht worden. Der unstillbare Drang, sich auszubreiten, der die Europäer in der Renaissance erfasst hatte, stieß auf eine unüberwindliche Grenze.

Science Fiction übernahm in meiner Generation die Rolle der Philosophie. Wir glaubten in unserer Jugend tatsächlich, dass Jules Verne die Mondlandung vorhergesagt hatte und dass sich die Prophetie mittelmäßiger Schriftsteller in der Zukunft fortsetzen würde. Heute liest niemand mehr Science-Fiction-Romane. Die jüngeren Generationen flohen in die regressive Traumwelt der Zauberer und Drachen.

Die Auswanderung der Menschheit ist abgesagt. Der Parasit muss sich mit diesem einen Planeten begnügen, den er schon fast ganz verschlungen hat. Gott ist tot. Aber an die Wissenschaft und den Fortschritt glauben immer noch viele. Wer auf die Selbsterkenntnis einer parasitären Lebensform hofft, muss sehr jung und sehr naiv sein.

Leserbrief schreiben