juh's Sudelbuch

Angst vor allem, was sich bewegt

Paradoxe Stimmung in Deutschland. Das Institut Allensbach hat im Auftrag der SPD-Bundestagsfraktion eine Meinungsumfrage gemacht, die bei den Deutschen eine sehr paradoxe Stimmungslage ausmacht hat. Die übergroße Mehrheit glaubt, dass es dem Betrieb, in dem man arbeitet, gut oder sehr gut gehe. Mit seiner eigenen wirtschaftlichen Lage ist man zufrieden und Angst um den Job haben nicht einmal die Ostdeutschen. Dennoch schauen nur 36 % der Befragten dem kommenden Jahr mit Hoffnungen entgegen.

Bremst das Wachstum aus!

Manchmal bin ich überrascht, wie viel an einem vorbeigeht, selbst dann, wenn man sich entsprechend vernetzt glaubt. Von der Degrowth-Konferenz in Budapest erfuhr ich erst, als sie bereits lief. Dabei interessiert mich dieses Thema nicht erst seit gestern, als ich endlich das Buch von Hans Joachim Schellnhuber aufschlug, um es zu lesen. (Bei einer Zope-Tagung am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung hörte ich einmal einen Vortrag von ihm.) Es sei dahingestellt, ob das Übersehen der Konferenz an mir liegt, an der Mainstream-Presse, die darüber natürlich kaum berichtet, oder an der Tatsache, dass innerhalb sozialer und ökologischer Bewegungen im Moment so viel passiert, dass man kaum den Überblick behält.

Das Böse

Ich stieß heute zufällig auf die Volksinitiative Grüne Wirtschaft in der Schweiz. In dieser Initiative, die am 25. September 2016 im Rahmen einer Volksabstimmung den Schweizern zur Entscheidung vorgelegt wird, fordern die Initiatoren, den ökologischen Fußabdruck der Schweizer von drei Planeten auf einen Planet zu senken, und zwar bis zum Jahr 2050. Dagegen ist vernünftigerweise nichts einzuwenden, dennoch ist die Ablehnung dieser Initiative so gut wie sicher. Aber warum ist das so?

Der blinde Zufall wählte besser

Es schmerzt die Selbstachtung, aber wir sollten uns endlich eingestehen, dass wir schlichtweg unfähig sind, verantwortungsvolle Vertreter unserer Interessen zu wählen. Wir wählen Parvenüs wie Schröder, schleimige Herrenreiter wie Berlusconi, blasierte Schönredner wie Obama, paranoide Tyrannen wie Putin und Erdogan oder rücksichtslose Mörder wie Duterte in Ämter, in denen sie maximalen Schaden anrichten können. Und es würde mich nicht wundern, wenn die Amerikaner einen überheblichen Lackaffen wie Trump zum Präsidenten einer Atommacht wählen würden, der dann den roten Knopf als Aphrodisiakum benutzt.

Die Spiritualität der Sozialen Plastik

Die Zeitläufte sind denkbar ungünstig, um über Spiritualität zu reden. Kaum ein Bedürfnis des Menschen wurde wohl so oft und so dreist ausgenutzt, um die Taschen zwielichtiger Weltverbesserer aufzufüllen, wie die Spiritualität. Bereits bei oberflächlicher Recherche blickt man in die gähnenden Abgründe esoterischen Schwachsinns, der sich in den letzten Jahrzehnten in allen Schichten der Gesellschaft ausbreiten konnte. Seitdem die Menschen in der westlichen Zivilisation nicht mehr an Gott glauben, hängen sie jedem nur erdenklichen Aberglauben an.

Die Lüge von der Diversity

Der Kapitalismus in seiner jüngsten Erscheinungsform, dem Neoliberalismus, zeigt seine Macht, unsere Sprache zu verfälschen und unsere Begriffe zu entkernen, auf allen Ebenen. So ist der Begriff der Freiheit zu einer Worthülse verkommen, die bloß noch die Freiheit des Konsums in einer auf ihren Verbrauch hin zugerichteten Welt bezeichnet. Das Reden über Freiheit ist ausschließlich in diesem vom Neoliberalismus abgesteckten Feld möglich. Eine andere Sprache als die des Neoliberalismus wird nicht mehr verstanden und verhallt ohne jede Resonanz.

Britischer Humor

Dummheit ist keine rein britische Eigenschaft – die Steilheit dieser These ist mir durchaus bewusst. Ich wage es trotzdem, in dieser ersten Sudelei nach dem Brexit den Beweis dafür anzutreten. Die EU hat den Briten 70 Jahre Frieden und Wohlstand gebracht. Und das ist offenbar Gift für den gesunden Menschenverstand. Während Syrer, die in ihrer vom Bürgerkrieg verheerten Heimat die Nachteile explodierender Splitterbomben und enthemmter Glaubenskrieger in ihren Lebensentscheidungen berücksichtigen und gegen die Vorteile eines provisorischen Flüchtlingscamps in der EU sorgfältig abwägen, laufen die Briten Gestalten hinterher, denen man schon von Weitem ansieht, dass sie von einer außerirdischen Macht ins Vereinigte Königreich eingeschleust wurden, um es von innen zu zerstören.

Redecentralize the web. But why and how?

Since Edward Snowden revealed the horrific dimensions of online surveillance quite a lot of projects pops up that want to redecentralize the web, enhance privacy or give people more anonymity. There is a website called ›redecentralize.org‹ listing many projects (https://github.com/redecentralize/alternative-internet) and stating its mission as follows: »Quietly, some geeks are decentralizing the net. Again. Who are they? Why are they doing it? What new technologies are they using? How will this change the world?« The website is running a mailing list and members of the mailing list are organizing a conference in London on October 17th and 18th 2015.

Lasst uns die Piratenpartei auflösen!

Es war richtig, die Piratenpartei im Jahr 2006 zu gründen. Es gab damals keine Partei, die den neuen technischen und sozialen Möglichkeiten des Internets positiv gegenüberstand. Unser Land brauchte damals dringend ein Update, und es braucht dies heute noch. Dringender denn je. Aber die Piratenpartei hat sich überlebt. Wir sollten deshalb einen sauberen Schnitt machen und die Partei auflösen. Denn ein Dasein als Splitterpartei ist dieser großartigen Bewegung unwürdig. Lasst uns die Piratenpartei neu erfinden.

Der Stummfilm »La Passion de Jeanne d´Arc« mit Orgelmusik in der Abtei Brauweiler

Am 13. August 2015 wurde der berühmte Stummfilm von Carl Theodor Dreyer in der Kirche der Abtei Brauweiler aufgeführt. Das Meisterwerk wurde von Wilfried Kaets auf der Orgel und von Klaus Paulsen mit gregorianisch anmutenden Gesängen begleitet. Ein einzigartiges Erlebnis. Über den Stummfilm »La Passion de Jeanne d’Arc« des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer von 1928 wurde schon viel geschrieben. Es ist ein formales Meisterwerk, das eine ungeheure emotionale und intellektuelle Wirkung entfesselt.