Dressierte Äffchen und ihre Helfershelfer

Die dressierten Äffchen im Circus Maximus haben am 1.3.2013 dem Leistungsschutzrecht zugestimmt. Damit ist eine beispiellose Kampagne der Medienindustrie erfolgreich zu Ende gegangen.

»Germany, I fear, is not the land of innovation«, sagt der US-Blogger Jeff Jarvis und bringt damit auf den Punkt, was viele über das deutsche Leistungsschutzrecht denken.1 Hier ist ein Gesetz verabschiedet worden, das es im 21. Jahrhundert nicht geben dürfte. Jedenfalls nicht in einem zivilisierten Land der westlichen Hemisphäre. Deutschland igelt sich ein. Die herrschenden Eliten stecken den Kopf in den Sand, und wir alle verpassen die Zukunft. Es wird Zeit, die Erfüllungsgehilfen der Springerpresse zum Teufel zu jagen, wie damals die Betonköpfe der SED. Doch leider ist die Bevölkerung noch ein Teil des Problems. Die Meinungsmacher der Presseverlage haben jeden Widerstand gegen diesen Irrsinn im Keim erstickt. Karl-Eduard von Schnitzler2 wäre stolz sie.

Das Vorgehen der Medienindustrie war genial und sorgsam abgestimmt. Bereits im Sommer letzten Jahres begann man den einzigen wirklichen Gegner des Leistungsschutzrechtes zu bekämpfen: die Piratenpartei. Zunächst versuchte man mit Hilfe von »Urhebern« die Piraten auf einem ihrer ureigensten Politikfelder in die Defensive zu drängen. Das funktionierte jedoch nur zum Teil. Dann ging man den Königweg: die Personalisierung. Besonders hervorgetan hat sich hierbei der Spiegel, der zwar vordergründig kritisch über das Leistungsschutzrecht berichtete, aber seit Sommer letzten Jahres aus allen Rohren auf die Piraten feuerte. Ganz im Stil des Boulevards wurden ausschließlich Personen angegriffen und vorgeführt. Leider erwies sich die Piratenpartei als völlig unvorbereitet auf diesen Angriff. Haufenweise bissen naive Piraten genüsslich in den Köder der Presse und ließen sich eine völlig überflüssige Personaldebatte aufzwängen. Es war auch zu leicht. Die Presseverlage mussten nur einigen prominenten Piraten eine Bühne verschaffen, auf der sie ihr übergroßes Ego ausspielen konnten, um den Zank immer wieder zu befeuern.

Von den übrigen Parteien ging dagegen keine Gefahr aus. Dort interessieren sich bekanntlich nur einige Exoten für die Freiheit im Internet. Die meisten Abgeordneten im Bundestag wussten wohl ohnehin, was Springer und die anderen Medienkonzerne von ihnen erwarteten und was sie zu erwarten haben, wenn sie sich dieser Erwartung widersetzen. Die Causa Wulff hat dem dümmsten Abgeordneten klar gemacht, dass die Bildzeitung jeden Politiker im Land aus Amt und Würden jagen kann.

Die Medienindustrie hat ihre Macht eindrucksvoll bewiesen. Sie brauchte gerade einmal ein halbes Jahr, um aus dem hohen Haus einen Circus dressierter Äffchen zu machen, die brav das Händchen heben, sich ebenso brav enthalten oder der Abstimmung lieber gleich fernbleiben.

Ohne die Piratenpartei haben die 1 % leichtes Spiel, das Netz mit Stacheldrahtzäunen unter ihre Kontrolle zu zwingen. Und der Druck der 1 % wird weiter zunehmen. Die Piratenpartei scheint ausgeschaltet zu sein. Die einzige Kraft in Deutschland, die die Freiheit im Internet verteidigen kann, diskutiert über Personalien, weil die Medien es so wollen und die Piraten zu unorganisiert sind, um dieser Strategie etwas entgegenzusetzen. Deutschland ist wieder ein Land ohne Opposition.

Literatur

Jarvis, Jeff: Roll over, Gutenberg. In: BuzzMachine. 2013. Internet: http://buzzmachine.com/2013/03/02/roll-over-gutenberg/. Zuletzt geprüft am: 22.9.2014.

Karl-Eduard von Schnitzler. In: Wikipedia. 2014. Internet: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl-Eduard_von_Schnitzler&oldid=133475712. Zuletzt geprüft am: 22.9.2014.

Fußnoten


  1. Jarvis, Jeff: Roll over, Gutenberg. In: BuzzMachine. 2013. Internet: http://buzzmachine.com/2013/03/02/roll-over-gutenberg/. Zuletzt geprüft am: 22.9.2014.

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  2. Karl-Eduard von Schnitzler. In: Wikipedia. 2014. Internet: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl-Eduard_von_Schnitzler&oldid=133475712. Zuletzt geprüft am: 22.9.2014.

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