Antifa-Stoiber will den braunen Sumpf trockenlegen

Die echten Antifa-Kämpfer sind blond, blauäugig und kommen aus Bayern. Während die rot-grüne Bundesregierung dem faschistischen Treiben auf Deutschlands Straßen mit staatsmännischer Besonnenheit zuschaut, fordert Antifa-Stoiber ein Verbot von NPD, DVU, Republikanern und allen anderen Parteien, die im angestammten Wählerreservoir der CSU fischen könnten. Frei nach dem Motto »ich kenne keine anderen Parteien mehr« will Stoiber ein für alle Mal den braunen Sumpf trockenlegen, in dem der Alleinvertretungsanspruch von CDU und CSU für die rechte Gesinnung zu versinken droht.

Scheinbar reicht es nicht mehr aus, mit augenzwinkernden Sprüchen wie »Kinder statt Inder« deutsche Rassisten an die christlichen Parteien Deutschlands zu binden, denn anders kann ich mir den Anfall von Antifaschismus in den Reihen von CDU und CSU nur schwer erklären. Die Freys und Schönhubers waren der CSU ja schon lange ein Dorn im Auge, so dass sie nun die Gunst der Stunde nutzen, um einen lästigen Konkurrenten loszuwerden. Endlich müssen die Schwarzen die Braunen nicht mehr durch völkische Unterschriftenaktionen und markige Sprüche gegen Asylmissbrauch und Ausländerkriminalität rechts überholen. Nun können sie sie links ausbremsen und verbieten. Wer weiß, vielleicht wird das Verbieten von Parteien ja noch zur Lieblingsbeschäftigung von CDU und CSU.

Die CSU denkt nämlich bei der ganzen Sache weit über ihre Nasenspitze hinaus bis hinunter nach Österreich. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und österreichischen Rechtsextremen sei alarmierend. Er meinte damit nicht die schulterklopfende Männerfreundschaft zwischen Stoiber und Schüssel, der bekanntlich mit einer Partei koaliert, dessen Aushängeschild gelegentlich die tolle Kameradschaft in der SS lobt. Nein, er meinte den Asylantrag, den die NPD in Österreich stellen will, falls sie hier verboten wird.

Aber ich möchte die Lage nicht schwärzer malen als sie ist. Vielleicht sind die Stoibers und Becksteins dieser Republik ja gar keine berechnenden Zyniker, die mit den von Skinheads ermordeten Ausländern Parteipolitik machen. Vielleicht spürt die neue Speerspitze der Antifa-Bewegung ja die stumpfe Klinge ihres Gewissens, die bohrend nachfragt, ob das laute Stammtischgeschrei über Durchrassung, Asylmissbrauch und Ausländerkriminalität nicht erst die Geister geweckt hat, die nun nach den Worten unseres Wirtschaftsministers, die er bestimmt nicht so menschenverachtend gemeint hat, dem Standort Deutschland schaden. – Solingen 13. August 2000

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