Entmannt!

Dass es in der SPD so einige zu allem entschlossene Emanzen gibt, ist bekannt. Dass diese aber zu Messer, Schere oder Skalpell greifen, um den Männern in der SPD die edelsten Teile abzuschneiden, wissen wir erst seit Clements jüngstem Interview, das er vermutlich gab, als er der Entmannung so gerade eben noch entronnen war.

Man muss in der Politik ständig auf Überraschungen gefasst sein. Scheinbar gab es in der SPD noch einen letzten Mann mit Eiern in der Hose, der um selbige jedoch fürchtete und sie im letzten Moment vor Franz Müntefering und den Partei-Megären in Sicherheit brachte. Nun ist Wolfgang Clement, seit Jahrzehnten das größte politische Talent der SPD, zwar bloß noch ein Sozialdemokrat ohne Parteibuch, aber immerhin noch im Vollbesitz seiner Männlichkeit. Und mit dieser züchtigt er nun die Partei, weil sie – um im derben Bild zu bleiben – herumeiere und nicht wisse, wo sie hinwolle. Dabei haben doch die Betriebsräte von VW gezeigt, wozu ein Mann Eier in der Hose hat. Um verantwortliche Industriepolitik zu treiben!

Was ein Mann ohne Eier ist, können wir uns schmerzhaft vorstellen. Was aber ist ein Sozialdemokrat ohne Parteibuch? Ist das so eine Art Oskar Lafontaine? Oder ist Jürgen Rüttgers in Wirklichkeit ein Sozialdemokrat ohne – weil mit dem falschen – Parteibuch? Vielleicht ist Clement aber auch Prototyp und Gattungsbegriff in einer Person, sodass er der erste und letzte Sozialdemokrat ohne Parteibuch ist.

Offensichtlich muss man sich als Sozialdemokrat entscheiden: entweder Parteibuch oder Eier. Beides geht nicht! Das würde immerhin den Mitgliederschwund bei der SPD erklären. Sieht man sich jedoch die Mitgliederstatistik der CDU/CSU an, so scheint es dort auch akute Kastrationsängste zu geben. In Scharen laufen die Männer vor den gewetzten Messern davon. Selbst bei den Grünen, die als Antipartei allen Kastrationsmessern abschwörten, scheint es den echten Männern nicht mehr geheuer zu sein. Allein die Linke verzeichnet regen Zulauf. Ob dies aber alles Männer mit Eiern oder bloß Betriebsräte ohne Eintrittskarte sind, vermag ich nicht zu sagen.

Als Parteiloser hab ich zwar keine Angst um mein intellektuelles Geschlecht, aber letzte Zweifel, ob dies der richtige Weg ist. Heißt es nicht immer, echte Männer gingen dorthin, wo es richtig weh tut? Also in den Strafraum, ins Stahlgewitter, in die Münchner U-Bahn oder eben in die SPD? Wenn alle echten Männer dieser Republik wie ein Mann in die SPD einträten, dann brächten wir den Verein ganz sicher wieder auf Vordermann! Doch das hieße ja, aus der Deckung kommen und die Hosen runterlassen.

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