10 Gründe die Bildungspetition mitzuzeichnen

Da mich immer wieder Leute darauf hinweisen, dass mehr Geld die Bildung nicht automatisch besser macht, habe ich hier einmal zehn Gründe zusammengetragen, warum eine bessere Bildung in jedem Fall mehr Geld kostet.

Wer zum ersten Mal mit der Forderung der Bildungspetition konfrontiert wird, ist erstaunt über die unverschämt hohe Forderung: eine Verdreifachung der Bildungsetats in Deutschland. Woher soll das Geld kommen? Der Staat ist doch ohnehin pleite!

Der Antragsteller ist sich wohl bewusst, dass die öffentlichen Haushalte mit Schulden finanziert werden, die künftige Generationen durch höhere Steuern oder eine inflationäre Entwertung ihrer Vermögen bezahlen müssen. Wenn der Bildungshaushalt verdreifacht wird, muss an anderer Stelle gespart werden. Das ist selbstverständlich und bedeutet, dass Politik und Gesellschaft bereit sein müssen, wirklich neue Prioritäten zu setzen. Denn das Geld ist da! Es wird nur für Dinge ausgegeben, die wir nicht brauchen. Eine gute Bildung aber – darüber sind sich die Sonntagsredner einig – ist für unsere Gesellschaft überlebenswichtig. Sie ist wichtiger als die Versorgung mit Öl, denn um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, brauchen wir neue Ideen und helle Köpfe.

In der Bildungsdiskussion gibt es viele Forderungen zur Verbesserung des Bildungsniveaus und der Bildungschancen. Einige dieser Forderungen werden im Folgenden aufgelistet. Und es wird sich zeigen, dass sie nur realisierbar sind, wenn deutlich mehr Geld für die Bildung ausgegeben wird. Wenn man sich bewusst wird, was notwendig ist, um die Bildung schnell und spürbar zu verbessern, erscheint die Forderung gar nicht mehr so hoch.

Zehn Gründe, die für eine Mitzeichnung sprechen

  1. Wer die Klassengrößen von 30 auf 15 Schüler halbieren will, um einen intensiveren und individuelleren Unterricht anbieten zu können, muss doppelt so viele Lehrer einstellen und damit doppelt so viel Geld für Gehaltszahlungen in den Haushalt einstellen. Ausnahme: Wir stellen 1-Euro-Lehrer ein.

  2. Wer Schüler mit Lernschwächen gezielt und individuell fördern möchte, damit diese den Anschluss halten oder ihre Potenziale voll ausschöpfen können, muss die dafür benötigten personellen Ressourcen (also Lehrer und Lehrerinnen) bereitstellen. Schulische Nachhilfe wird sozial gerecht vom Steuerzahler finanziert, private von den Eltern, die es sich leisten können. Schulische Nachhilfe kostet Geld, das in den Haushalt eingestellt werden muss.

  3. Wer mehr und besser ausgebildete Lehrer fordert, muss Abiturienten in pädagogischen Studiengängen zu Lehrern ausbilden. Der Deutsche Philologenverband schätzt, dass 40.000 Lehrer in Deutschland fehlen. Die Kultusministerkonferenz rechnet mit 74.000 fehlenden Lehrern im Jahr

  4. Wenn wir keine Lehrkräfte importieren wollen oder können, müssen wir also mehr Studenten zu Lehrern ausbilden. Da kostet Geld. Die Mehrkosten dafür müssen in den Bildungsetat aufgenommen werden.

  5. Von vielen Seiten wird eine Ganztagsbetreuung der Schüler in den Schulen gefordert. Begründet wird diese Forderung u.a. damit, dass die Schüler im familiären Umfeld nicht die Förderung zum Beispiel bei den Hausaufgaben erfahren, die notwendig wäre. Außerdem wünschen sich viele Eltern, die berufstätig sind, dass ihre Kinder bis in den Nachmittag hinein in der Schule betreut werden. Diese verständliche Forderung hat kostspielige Folgen.

Eine Ganztagsbetreuung in der Schule setzt voraus, dass die Schüler ein Mittagessen einnehmen können. In vielen deutschen Schulen sind dafür nicht einmal die baulichen Voraussetzungen erfüllt. Ganztagsbetreuung macht den Bau und den Betrieb von Mensen erforderlich. Es fallen Bau-, Betriebs- und Personalkosten an, die im Haushalt bereitgestellt werden müssen.

Eine Ganztagsbetreuung sollte keine Ganztagsverwahrung von Schülern sein. Das heißt, es müssen pädagogisch geschulte Lehrkräfte und in einigen Bereichen auch Sozialarbeiter bereit stehen, um die Schüler zum Beispiel bei den Hausaufgaben zu betreuten. Die zusätzlichen Lehrkräfte und Sozialarbeiter verursachen Personalkosten, die im Haushalt eingestellt werden müssen.

  1. Viele Schulgebäude sind in einem maroden baulichen Zustand, da Renovierungen und Sanierungen seit Jahren verschleppt werden. Um diese Mängel zu beseitigen, sind finanzielle Mittel notwendig, die kontinuierlich zur Verfügung stehen und nicht nur als Konjunkturprogramm kurz vor einer Bundestagswahl. Auch hierfür müssen Mittel in den Haushalten bereitgestellt werden.

  2. Die Ausrüstung von Schulen mit modernen Unterrichtswerkzeugen ist mangelhaft. Wer fordert, dass Schülerinnen und Schüler lernen, mit Computern produktiv umzugehen, muss den Schülern die Computer auch zur Verfügung stellen. Wer interaktive Whiteboards fordert, muss diese anschaffen. Die dafür notwendigen Gelder müssen in die Haushalte eingestellt werden.

  3. Wer davon überzeugt ist, dass auch Lehrer lebenslang lernen müssen, wird die Fortbildungskosten von Lehrern finanzieren und Gelder im Haushalt bereitstellen müssen.

  4. Wer neue Schulformen ausprobieren und Experimente ausnahmsweise einmal nicht auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern austragen möchte, muss dafür sorgen, dass diese Experimente zusätzlich zum normalen Schulbetrieb erfolgen, diesen also nicht ersetzen und wissenschaftlich ausgewertet werden. Das erhöht den Aufwand und will bezahlt werden.

  5. Wer die Lehrpläne kontinuierlich modernisieren will, muss bereit sein, die kostspieligen Folgen, die sich daraus ergeben zu tragen. Es müssen Fachleute bezahlt werden, die kontinuierlich die Lehrpläne überprüfen und anpassen. Es müssen neue Lehrbücher angeschafft werden. Die Lehrkräfte müssen Zeit haben, sich einzuarbeiten. Kontinuierliche Veränderung und Anpassung kostet Geld, das im Haushalt eingestellt werden muss.

  6. Wer mehr Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben möchte, eine Zeit lang im Ausland zu verbringen und die Kosten dafür nicht den Eltern aufbürden will, muss bereit sein, diese Kosten in den Haushalten zu berücksichtigen.

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