Kofi kann wirklich stolz sein, Deutscher zu sein

Denn er ist nach zehn harten Jahren endlich Deutscher geworden

Stolz, sagte der Bundespräsident, könne man nur auf etwas sein, das man selbst erreicht habe, man könne daher nicht stolz darauf sein, Deutscher zu sein, sondern höchstens froh und dankbar. Mit dieser Feststellung hat der Bundespräsident sicher im Großen und Ganzen Recht, zumindest was die große Masse angeht. Aber ich kenne jemanden, der mit Recht stolz darauf sein kann, ein Deutscher zu sein.

Es handelt sich dabei um einen fernen Bekannten, dessen Namen ich lieber geheim halte, da Personen wegen ihres Nationalstolzes heutzutage schnell als Skinheads beschimpft werden. So soll der stolze Deutsche für die Dauer dieser Sudelei Kofi heißen, wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen. Kofi kommt nämlich wie der UN-Generalsekretär aus Afrika, genauer gesagt aus einem Land, in dem seit Jahren sämtliche Wirren eines grausamen, afrikanischen Bürgerkriegs herrschen.

Vor zehn Jahren gelang es Kofi aus seinem Heimatland zu fliehen. Über endlose Umwege kam er mit Hilfe einer erpresserischen Schleuserbande nach Deutschland, wo er zwar sehr unfreundlich empfangen wurde, aber in einer überbelegten Asylbewerberunterkunft wenigstens anständig untergebracht wurde. Sein Asylantrag wurde zunächst selbstverständlich abgelehnt, und so durfte er aufgrund einer drohenden Abschiebung einige Monate das Kirchenasyl genießen. Das Sozialamt verweigerte ihm jede Unterstützung, eine Arbeitserlaubnis besaß er nicht, also lebte er von der Mildtätigkeit protestantischer Sozialpädagogen, die ihn lange Zeit betreuten. Kofi ließ sich jedoch von den temporären Misserfolgen vor deutschen Behörden und Gerichten nicht entmutigen und verfolgte mit einer nie nachlassenden Energie sein Asylverfahren, rang tapfer mit dem Sozialamt, versteckte sich so gut es ging vor kurzgeschorenen Leuten, denen das Deutschtum in der Wiege auf dem Silbertablett serviert worden war, stand eine psychosomatisch verursachte schwere Magenerkrankung durch, lernte mühsam aber letztlich erfolgreich ein wenig Deutsch und wurde schließlich als Asylbewerber anerkannt. Als er kürzlich seinen deutschen Pass erhielt, sagte ich ihm: darauf kannst du nun aber wirklich stolz sein.

Ein knappes Jahrzehnt hat Kofi gebraucht, um gegen alle Widrigkeiten des deutschen Asylverfahrens Deutscher zu werden. Andere werden dies allein kraft eines unbedachten Lendenstoßes, den sie noch nicht einmal selbst vollführt haben. Im Gegensatz zu Friedrich Merz kann Kofi daher mit vollem Recht stolz darauf sein, Deutscher zu sein.

Jetzt wird man mir vielleicht vorwerfen, dem armen Friedrich Merz Unrecht zu tun, da er ja nichts dafür kann, als Deutscher geboren worden zu sein, so dass er auch nie die Gelegenheit hatte, das, worauf er so stolz ist, aus eigener Kraft zu erlangen. Das will ich ihm auch gar nicht vorwerfen. Vielmehr schlage ich ihm und allen, die so furchtbar gerne stolz sein möchten, Deutsche zu sein, vor, ihre Pässe abzugeben, in ein Land auszuwandern, dessen Namen Amnesty International ihnen gerne gegen eine kleinen Spende nennen wird, und ihrem ehemaligen Landsmann Kofi nachzueifern in seinem zehnjährigen, unermüdlichen Bemühen, Deutscher zu werden.

Nun soll der werte Leser aber nicht glauben, ich hätte vergessen, dass Merz und seine stolze Herde in Windeseile als Spätaussiedler wieder eingebürgert werden können und daher höchstens ein paar Wochen erster Klasse in Unna-Massen verbringen müssen. Das weiß ich natürlich. Aber ich will den Herren auch nicht zu viel zumuten, denn die stolzen Geburtsdeutschen aus CDU/CSU und FDP haben bestimmt nicht die Eier, ein mehrjähriges Asylverfahren durchzustehen, auch wenn sie auf ihre geheimen Rücklagen in der Schweiz zurückgreifen können, um sich die besten Anwälte zu leisten.

Stolz, sagte der Bundespräsident, könne man nur auf etwas sein, das man selbst erreicht habe. Kofi ist, das weiß ich, weniger stolz als vielmehr dankbar, Deutscher zu sein. Aber er könnte sich jederzeit vor Merz und Konsorten hinstellen, sich mit deutschem Stolz in die Brust werfen und ausrufen: Seht her, gestern noch war ich lebendiges Strandgut und heute schon kann ich euch abwählen!

Als es der Opposition in ihrer unnachahmlichen Frechheit beliebte, dem Bundespräsidenten mangelnden Patriotismus vorzuwerfen, belehrte Johannes Rau sie über die Bedeutung der Worte, die diese Herren so gerne im Mund führen. Ein Patriot, sagte der Bundespräsident, sei ein Mensch, der sein Vaterland liebe, ein Nationalist einer, der die anderen Völker verachte. Nun frage ich mich: Kann eine Partei, die Schwarzgeld in der Schweiz hortet und das Vermögen ihres Volkes verschleudert, patriotisch sein? Kann jemand, der Unterschriften gegen Ausländer sammelt, ein Patriot sein? Und kann jemand, der vor seinem Volk die Herkunft illegaler Parteispenden verschleiert und einer ehrenwerten Gesellschaft sein Wort gibt, sie nicht zu verraten, ein Patriot sein? Ich glaube, da bleibt nicht mehr viel Platz für echten Patriotismus, so dass die Herren Merz, Goppel und Westerwelle wohl nur zu Nationalisten taugen. – Solingen den 23. März 2001

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