Auf die FDP ist Verlass

Das Schöne an der FDP ist ihre Verlässlichkeit. Kaum eine andere Partei steht so fest zu ihren Prinzipien wie die Freiheitlichen. Und da die Prinzipientafel der Drei-Punkte-Partei nur aus einem Gebot besteht, hat sie auch keine Schwierigkeiten, ihre Überzeugungen dem tumben Wähler zu vermitteln: Verbeiß dich in die Macht wie ein Kampfhund in sein Opfer! Dieses prunklos, schlichte Programm ist in einer Zeit kompliziertester Sachzwänge von geradezu befreiender Klarheit.

Dass aber selbst ein so idiotensicheres Gebot zu Zank und Hader führt, überrascht zunächst. Auf den zweiten Blick jedoch sieht man, dass sowohl die FDP im Bund wie die FDP in Hessen absolut bibeltreu und orthodox handeln und gerade deshalb auf schismatische und ketzerische Abwege geraten. Die Situation ist aber auch äußerst vertrackt, denn indem die FDP in Hessen mit fundamentalistischer Standfestigkeit den eheren Glaubensgrundsatz der Partei befolgt, verstößt sie dagegen. Bleibt sie in Hessen in der Regierung Koch, so dürften in NRW und Schleswig-Holstein alle Wahlchancen perdu sein. Und so verlangt Parteichef Gerhardt von seinen Mannen und Walküren in Hessen, die geliebte und verehrte Gesetzestafel zu brechen, um ihr treu zu bleiben. Wenn das keine Dialektik ist! Aber die Kompromisslinie zeichnet sich schon ab. Koch muss weg, damit die FDP auf einer höheren Seinsstufe wieder mit sich selbst ins Reine kommen kann.

Womit ich elegant den Übergang zum Tipp des Tages schaffe: Wer angesichts der CDU gar nicht so viel fressen kann, wie er kotzen möchte, hat immerhin noch die Möglichkeit die Ironie des Schicksals in der CDU-Affäre zu goutieren. Ein Mann, der lügt und Rechenschaftsberichte fälscht, fliegt nur deshalb aus dem Amt, weil sein Koalitionspartner im Bundesland nebenan wie ein Junkie auf Entzug nach der Macht geifert.

Ich bin ja mal gespannt, ob sich Thierse von Angelas Dackelblick hat erweichen lassen, oder ob er morgen mit kirchenväterlicher Strenge der CDU die angemessene Buße auferlegen wird. Was sagte Kohl früher immer vor den Wahlen? 40 plus ist unser Ziel. Dem kann ich mich nur anschließen. Es werden sich ja wohl noch irgendwo in Paraguay ein paar Ehrenmänner finden, die für die CDU die Zeche zahlen, oder? – Solingen 14. Februar 2000