Kapitalismuskritik oder wie die SPD zum Stammgast im Bordell des Globalismus wurde

Im Gegensatz zu Geißler ist Müntefering ein richtiger Salonsozialist. Was bei Münte als Pfeifen im Walde daherkommt, klingt bei Geißler richtig klassenkämpferisch: »Heute werden für die Kapitalrendite Menschenleben geopfert. Der moderne Kapitalismus ist eine moderne Form des Totalitarismus. Ein ökonomischer Totalitarismus, der über Leichen geht. Er nützt einigen wenigen, die immer mehr verdienen, er schadet immer mehr Menschen.« So erzsozialistisch zieht Geißler im österreichischen Wirtschaftsmagazin ›trend‹ vom Leder. Fast hat man den Eindruck, Geißler sehne sich zurück in die Zeit, als die Chefs der Deutschen Bank nicht ihre Stinkefinger in die Luft reckten, sondern von der Roten-Armee-Fraktion in dieselbige gesprengt wurden.

Wenn jetzt schon ehemalige Generalsekretäre einer christlichen Partei die Kapitalisten an Laternenpfählen aufknüpfen möchten, darf es auch nicht Wunder nehmen, dass die FDP die alte Kampfparole der McCarthy-CDU ›Freiheit statt Sozialismus‹ aus den Zeitgeschichtsbüchern kramt und im Landtagswahlkampf von NRW wieder aufleben lässt.

Ob man Geißler allerdings ernst nehmen muss, ist eigentlich keine Frage. Seit Jahren spielt er den Lafontaine der CDU und meckert an allem herum, was die Direktoren Merkel und Stoiber in ihrem Kasperletheater auf die Bühne bringen. Und Münte ist der Prototyp des modernen Zynikers, gab es doch in Deutschland noch nie eine Regierung, die mehr für das internationale Großkapital getan hätte, als die rotgrüne. So lässt beispielsweise Clement keine Gelegenheit aus, um sich mit Bill Gates ablichten zu lassen, einem amerikanischen Großindustriellen, der die mittelständische IT-Industrie in Deutschland mit Hilfe europäischer Softwarepatente endgültig in die Knie zwingen will. In Clement hat Gates da einen willigen Verbündeten gefunden. Steuergeschenke für die ganz großen Arbeitsplatzvernichter, das ist das gelebte Credo der SPD. Die SPD ist längst zum Jesuitenorden des Globalismus geworden, zu einem Schoßhündchen, das mit den Wölfen heut. Und dabei muss sie noch nicht einmal bestochen werden, die SPD ist nicht käuflich, sie macht es kostenlos! Die SPD ist heimatlos und entwurzelt, sie hat ihre Stammwähler verloren, ist nirgends mehr in der Gesellschaft verankert und daher eine leichte Beute für den Glanz des Großkapitals. Eigentlich kann man nur noch Mitleid haben.

Aber noch hat die SPD ein paar letzte Freunde, vor allem in den Medien, die sich seit Monaten wie Fliegen auf Fischer stürzen, damit der Verwesungsgeruch der deutschen Sozialdemokratie von einem kräftigen Durchzug im Außenministerium verscheucht wird und sich nicht so penetrant im Wahlvolk verbreiten kann.

Die SPD ist mittlerweile Stammgast im Bordell des Globalismus und wundert sich jetzt, dass ihre Stammwähler in ihrem Stammlokal bleiben, statt wie es sich gehört am Wahlsonntag bei der SPD ihr Kreuzchen zu machen.

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