Die Insel des zweiten Gesichts

Notizen zu Albert Vigoleis Thelen

Am 28. September 2013 lernte ich in einer der wenigen Radiosendungen, die mich mit dem GEZ-Regime versöhnen könnten, wenn es denn mehr von ihnen gäbe, den Namen Albert Vigoleis Thelen kennen.1 Das WDR-Zeitzeichen berichtete über den vor einhundertundzehn Jahren in Süchteln am Niederrhein geborenen Schriftsteller und seinen Roman ›Die Insel des zweiten Gesichts‹.2

Thelen war Exilschriftsteller, was vielleicht erklärt, warum er in Deutschland nahezu unbekannt ist. Exilschriftsteller waren in der jungen Bundesrepublik, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nicht populär. Die Gruppe 473 hat sogar, wie das Zeitzeichen zu berichten wusste, in einer ihrer Tribunale sein Hauptwerk zwar nicht zum Tode, aber zu lebenslangem Siechtum verurteilt. Er passte nicht ins Programm. Das ist ein guter Grund, sich näher mit diesem Mann zu beschäftigen, dachte ich, und was ich auf Anhieb fand, steigerte das Interesse gewaltig. Da gibt es beispielsweise einen Menschen, der sich vorgenommen hat, ein schätzungsweise 5000 Einträge umfassendes Vigoleis-Wörterbuch4 zu erstellen, in denen die Archaismen, Neologismen und fachsprachlichen Worte des wunderlichen Autors gesammelt und erklärt werden sollen. Das ist in einer Zeit, in der Schriftsteller darauf achten, den Bildzeitungs-Wortschatz des Bestseller-Publikums nicht einmal im Ansatz herauszufordern, eine Leseempfehlung par excellence. Ich besorgte mir also sein Hauptwerk, ›Die Insel des zweiten Gesichts‹, und begann zu lesen.

Aufgrund von Umständen, die eintreten, um eben Umstände genannt zu werden, bin ich erst auf Seite 257 angelangt, 650 liegen noch vor mir. Vermutlich werde ich sie ebenso genießen, wie die bisher zurückgelegte Strecke, denn das Lob, das diesem Buch von vielen Seiten zuteil wurde, kann ich uneingeschränkt teilen. Das Buch braucht den Vergleich mit den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts nicht zu scheuen. Es verbindet, zumindest bis Seite 257, den Schelmenroman mit erzählerischen Eigenwilligkeiten, die an Jean Paul erinnern.

Es ist eines der großen tragischen Missverständnisse, unter denen das Verhältnis der Deutschen zur Kunst so oft zu leiden hat, dass Albert Vigoleis Thelen, in Deutschland nie populär war. Sein Roman spielt nämlich auf Mallorca, dem populärsten Fluchtpunkt aller Deutschen, wenn Urlaub droht. Wie bequem ließe sich das Ausspannen am Ballermann mit ein wenig Kultur verfeinern, wandelte man in Palma de Mallorca auf den Spuren des Vigoleis und seiner Beatrice – den beiden Helden seines Romans – wie man es auf denen von Leopold und Molly Bloom in Dublin tut. Man könnte dem Tourismus der Insel völlig neue Perspektiven öffnen!

Doch dies soll keine Rezension werden. Von Seite 257 sei deshalb allen Lesern des Sudelbuchs zugerufen: Lest sie, die »angewandten Erinnerungen des Vigoleis«!

Literatur

Albert Vigoleis Thelen. In: Wikipedia. 2013. Internet: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Albert_Vigoleis_Thelen&oldid=123630506. Zuletzt geprüft am: 29.10.2013.

Duhm-Heitzmann, Jutta: Albert Vigoleis Thelen - WDR Wissen. 2013. Internet: http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/programmtipps/radio/13/09/28_0905_5.php5. Zuletzt geprüft am: 29.10.2013.

Gruppe 47. In: Wikipedia. 2014. Internet: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gruppe_47&oldid=132501584. Zuletzt geprüft am: 23.9.2014.

Fußnoten


  1. Albert Vigoleis Thelen. In: Wikipedia. 2013. Internet: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Albert_Vigoleis_Thelen&oldid=123630506. Zuletzt geprüft am: 29.10.2013.

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  2. Duhm-Heitzmann, Jutta: Albert Vigoleis Thelen - WDR Wissen. 2013. Internet: http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/programmtipps/radio/13/09/28_0905_5.php5. Zuletzt geprüft am: 29.10.2013.

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  3. Gruppe 47. In: Wikipedia. 2014. Internet: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gruppe_47&oldid=132501584. Zuletzt geprüft am: 23.9.2014.

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  4. Albert Vigoleis Thelen. [return]