Repräsentatives Fremdschämen

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

ich schäme mich für Ihren Kotau vor den Diktatoren in Peking und Ihre Weigerung den Dalai Lama zu treffen. Mögen Sie als ehemaliger Direktor des Internationalen Währungsfonds auch prinzipiell das Geld und den Profit als Primat deutscher Außenpolitik erachten, so sind Sie nun unser, mein Repräsentant, auch wenn ich Sie nicht gewählt habe, nie gewählt hätte und – so wie die Dinge nun liegen – auch nie wählen würde. Da ich Sie weder wählen konnte noch gewählt hätte und auch nie wählen würde, schäme ich mich auch nicht bis ins innerste Mark, sondern bloß in repräsentativer Form, so wie unsere Demokratie bloß eine repräsentative und keine wirkliche ist. Aber ich schäme mich.

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