Olympia unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die olympische Fackel muss sich vor der Öffentlichkeit verbergen. Sie wurde zum Symbol für die Käuflichkeit aller Ideale. Die Nationalsozialisten haben die Fackel erfunden, sie liebten Fackelumzüge, und die Route für den ersten Fackellauf haben – wie heute – Beamte eines Propagandaministeriums abgesteckt.

1936 ließ sich Olympia von den Nationalsozialisten missbrauchen, 2007 von der chinesischen Diktatur. So haben sich das die chinesischen Propagandaoffiziere wohl vorgestellt, doch es läuft nicht mehr so reibungslos wie 1936 in Berlin. Wie gerne hätten sie der Welt in einer Mischung aus Kitsch und Leni Riefenstahl ein mächtiges China präsentiert, das alle Medaillen-Rekorde bricht. Doch daraus wird nichts. China steht nun im Rampenlicht und erweist sich als eine hässliche Diktatur – oder wie es der Dalai Lama mit feinster Ironie ausdrückt: China hat es verdient, die Olympischen Spiele auszurichten.

Im Moment sieht es so aus, als ob die Olympischen Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit veranstaltet würden. Ein Fackellauf durch die Seitenstraßen dieser Welt. Eine Eröffnungsfeier ausschließlich mit chinesischen Sportlern? Wettkämpfe ohne ausländische Zuschauer, die Tibetfahnen mit ins Stadion bringen könnten? Es sieht ganz so aus. China macht die Grenzen dicht.

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