Reise der Harmonie

»Reise der Harmonie« nennen die Chinesen den Olympischen Fackellauf rund um die Welt. Zynismus auf olympischem Niveau! Jetzt windet sich das IOC und alle, die von der Entscheidung, die Olympischen Spiele 2008 in China stattfinden zu lassen, nicht von Anfang an entsetzt waren. Aber kann man von einer Hure erwarten, dass sie sich einem Verbrecher aus politischen Gründen verweigert? Niemand erwartet von einer Prostituierten, dass sie ihre Dienste einem Steuerhinterzieher, einem korrupten Betriebsrat oder einem Bandenchef verweigert, um gegen Steuerhinterziehung, Korruption oder die Gründung einer kriminellen Organisation zu protestieren. Aber vom IOC erwartet man nun, dass sie einen Olympia-Boykott wegen der brutalen Unterdrückung des tibetischen Volks erwägen, als sei uns diese Tatsache erst heute zu Gehör gekommen. China hat Tibet immer unterdrückt. Der Dalai Lama ist seit 1959 im Exil. Dass China von einem Verbrecherregime regiert wird, dass nicht im Traum daran denkt, die Menschenrechte zu achten und demokratische Strukturen entstehen zu lassen, weiß man seit Jahrzehnten. Aber China ist reich und daher für Huren interessant. Das IOC hat die Spiele an den Meistbietenden verkauft. Wenn man jemanden boykottieren sollte, dann das IOC und alle NOCs, die diese Entscheidung mitgetragen haben. Die Olympischen Spiele sind eine Lüge wie der vorgetäuschte Orgasmus einer Hure. Sie haben nichts mit Frieden und Völkerverständigung zu tun. Deshalb enthielte ein Boykott der Spiele in Peking ein gerüttelt Maß Heuchelei. Doch es ist das einzig Richtige. Wie sonst soll man den Machthabern in Peking zeigen, dass sie Parias in einer zivilisierten Welt sind.

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