1000 Jubel-Ossis für George W. Bush

Die Welt zu Gast bei Freunden: dieses Motto muss der amerikanische Präsident wohl missverstanden haben. Offensichtlich glaubt er, dass, nur weil Fußballfans aus aller Welt, selbst aus Holland, in Deutschland für ein paar Wochen geherzt und geknuddelt wurden, auch er hier willkommen sei.

Seine Verehrerin, Angela Merkel, weiß es wohl besser und hat deshalb 1000 zuverlässige Jubel-Ossis aus Stralsund auf den Marktplatz bestellt, damit sie ihrem Grill-Freund ein Bad neben der Menge ermöglichen. Auf Kommando jubeln, das kann ein gelernter DDR-Bürger bekanntlich. Ich bin gespannt, ob wir im Fernsehen auf dem Marktplatz bloß ältere Kader sehen werden, oder ob auch junge Jubel-Ossis amerikanische Papierfähnchen schwenken. Letzteres würde entweder darauf hindeuten, dass das Strammjubeln vererbt werden kann, oder dass das örtliche Arbeitsamt einige 1-Euro-Jobs vergeben hat.

Die übrigen Stralsunder dürfen während des lieben Besuchs aus Übersee ihre Häuser nicht verlassen. Angela Merkel traut ihren Landsleuten scheinbar nicht über den Weg, was im Grunde ein Kompliment ist. Ich frage mich nur, ob die Mecklenburger und Vorpommern darauf auch stolz sind. Vielleicht sind sie ja auch beleidigt, haben sie ihr Ländchen doch durch jahrelangen Rassismus so gut wie ausländerfrei gehalten, sodass es dort wohl keinen einzigen Islamisten geben dürfte, der sich vor Bushs Wagenkolonne werfen und in die Luft sprengen könnte. Und nun dankt Merkel ihnen diesen pro-amerikanisch patriotischen Einsatz mit Stubenarrest.

Das Sprichwort sagt, dass die Welt in Mecklenburg-Vorpommern sieben Jahre später untergehen wird als anderswo. Insofern hat dort die Operation Irakische Freiheit, mit der die religiösen Fanatiker Bush und Blair ein ganzes Land in Chaos, Anarchie und nie gekanntes Elend gestürzt haben, in Mecklenburg-Vorpommern noch gar nicht stattgefunden. Guantanamo, Abu Ghuraib und Haditha: alles Namen, mit denen man dort noch nichts anfangen kann. Sogar der devote Merkelsche Kniefall in Washington, als sie Schröder zeigen wollte, wie lieb sie Bush für sein Nationdestroying hat, dürfte sich dann in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht herumgesprochen haben.

Nun sitzen die Stralsunder und Trinwillershagener, wo Bush und Merkel für 12 Millionen Euro einen romantischen Sommerabend im Freien verbringen wollen, in der Stube und dürfen beim Grillen der Großen nicht dabeisein. Das ist nichts Neues, schließlich durften sie auch nie bei den Grillabenden in der Wandlitzer Laubenkolonie dabeisein. Aber vielleicht nutzen sie den Besuch von Bush, um der Welt zu zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern nicht nur für Schwarze eine NoGo-Area ist, sondern auch für Kriegsverbrecher: und wenn es auch nur durch ein Pappschild mit einem ordentlichen Mutterfluch im Fenster zur Straße ist.

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