Möllemann auf Elba

Da dachten Guidolein und sein parteiinterner Staatsanwalt Rexrodt, sie hätten Jürgen W. Möllemann bis nach Sankt Helena verjagt, da meldet sich der Bonaparte der FDP von Elba und lässt mitteilen, er würde bald in Deutschland landen, um die Weltbühne der Politik erneut zu betreten, und hätte gerne diesen oder jenen Sitz in einem Bundestagsausschuss. Nun müssen sich die tatsächlich brutalstmöglichen Aufklärer in der FDP Gedanken machen, wie sie die Rückkehr des politischen Selbstmordattentäters, wie der Graf den Westfalen-Kaiser zu titulieren pflegt, auf 100 Tage begrenzen.

Sie sollten dabei den Rat englischer Historiker einholen, denn wenn, was zu erwarten ist, sich die Alliierten in der FDP in die Haar geraten, könnte der politische Untote von Gran Canaria aufs Festland zurückkehren, seine arabischen und deutschnationalen Heerscharen hinter sich sammeln und seine achtzehn Standarten wieder inmitten der FDP aufpflanzen.

Dann wird wohl oder übel ein ausgewachsenes Waterloo, neudeutsch Gerichtsverfahren, notwendig werden, um den selbsternannten Retter der FDP in die endgültige Verbannung nach Sankt Helena, neudeutsch Zuchthaus, zu schicken. Die FDP-Spitze arbeitet auch schon, ganz anders als die Führung der CDU im Kasus Kohl, mit den Ermittlungsbehörden eng zusammen, um Möllemann dingfest zu machen, schließlich ist ihnen der kleine Westfale ebenso unheimlich wie es den Engländern der kleine Korse war.

Doch selbst als Knacki dürfte Möllemann den letzten FDP-Mitgliedern schlaflose Nächte bereiten, denn man kann nie wissen, welche Flugblätter der Gefangene mit der Nummer 18 in der Gefängnisdruckerei von seinen arabischen Mithäftlingen herstellen lässt. Und so wie die Historiker Napoleon liebten und nicht Wellington, Blücher oder Zar Alexander, so lieben die Medien Möllemann und nicht Westerwelle, Rexrodt oder Gerhardt, die allesamt im Guidomobil den spießbürgerlichen Geruch fahrender Schausteller oder Drückerkolonnen verbreiten, während Möllemann die tödliche Schärfe des arabischen Antisemitismus bei uns salonfähig gemacht hat.

Sollten aber dennoch überraschend alle Medien übereinstimmend den politischen Tod des ehemaligen Leithammels und nunmehrigen Sündenbocks feststellen und sich gelangweilt von ihm abwenden, muss die FDP erst recht die Putzeimer nehmen und die Fenster weit öffnen, um den üblen Geruch, den Möllemann hinterlassen hat, aus der Partei zu vertreiben. Das wird sie tun, wenn sie glaubt, damit Stimmen gewinnen zu können, und sie wird es lassen, wenn sie fürchten muss, damit die letzten Anhänger zu verlieren. Schließlich ist der latente Antisemitismus in unserer Gesellschaft eine feste Bank, auf die man in schweren Zeiten bauen kann.

Solange aber die Antisemiten bei der FDP eine Heimat finden, braucht uns nicht bange zu werden. Denn die FDP hat nur ein politisches Ziel: die Rückkehr an die Macht. Alles andere ist vergessen, wenn sie erst wieder am Kabinettstisch sitzen darf. – Solingen den 24. Oktober 2002

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