Nation under goat

Wie gut, dass ich gestern nicht sofort meine Empörung über das unamerikanische Urteil des US-Bundesgerichts in Kalifornien ins Sudelbuch und damit in die Welt hinausposaunt habe. Da erklären diese kommunistischen Richter, die den Eindruck machen, als hätten sie sich ein halbes Jahrhundert vor McCarthys Komitee in Kalifornien versteckt, kurz und bündig den amerikanischen Fahneneid, den Millionen Schüler jeden Morgen vor dem Unterricht mit Inbrunst schwören, für verfassungswidrig, nur weil dort einer Nation unter Goat die Treue geschworen wird. Staat und Stall, so die Richter, gehören in goat’s own country getrennt. Doch heute morgen lese ich, dass das Gericht sein eigenes Urteil keine 24 Stunden nach der Urteilsverkündung ausgesetzt hat. Scheinbar hat sie der große Goat aus Washington angerufen und sie daran erinnert, dass wer nicht mit ihm sei, gegen ihn sei und sie deshalb beim Surfen am Wochenende mit einem Angriff der Navy SEALs rechnen müssten, wenn sie dieses lächerliche Urteil nicht sofort kassierten. Der Schock vom 11. September war nichts gegen die entsetzte Lähmung, die gestern das Land befiel, als die schwulen Richter in Kalifornien dem Land sein stärkstes Aphrodiasikum, in Stars und Stripes eingelegte Goat-Hoden, nehmen wollten. Vermutlich sind die Richter von bin Laden ferngesteuert. Wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass ein Vater, der doch an der sittlichen Entwicklung seiner Tochter jedes nur erdenkliche Interesse haben muss, gegen den Fahneneid klagt, kann der aufgeklärte Mitteleuropäer, der die Amerikaner im Grunde für therapieresistent hält, sich nur schwer vorstellen. Was es für eine Nation aus goatsfürchtigen Fahnenträgern bedeutet hätte, bloß noch auf den farbigen Stoff und nicht mehr auf das höchste amerikanische Wesen schwören zu dürfen, kann man als Europäer kaum nachfühlen. Man stelle sich vor, in welche Sinnkrise ein Hitlerjunge gestürzt worden wäre, wenn der Volksgerichtshof des niederbayrischen Gaus den Hitlergruß verboten hätte. Und woran hätte sich ein junger Pionier festhalten sollen, wenn ein Revolutionsgericht ihm verboten hätte, jeden Morgen das Genie Stalins zu loben? Oder, um ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert zu wählen, man stelle sich eine Herde von Koranschülern vor, die bloß noch zum Teetrinken auf ihren Gebetsteppichen niederknien dürften! Die ausländischen Terroristen konnten zwar die Erektionssymbole der amerikanischen Nation wegrasieren, doch sie bewiesen damit nur, dass sie als ebenfalls phalluszentrierte Persönlichkeiten dem anderen die größere Erektion nicht gönnten. Am 11. September konnte der äußere Feind zwar einen militärischen Erfolg in Goats own country verbuchen, doch nur der unsichtbare Feind im Innern ist in der Lage, einer Nation den Todesstoß zu versetzen. Six-twentyseven, das ist das wirkliche Schreckensdatum! Denn worauf soll ein durchschnittlicher Amerikaner noch stolz sein, wenn nicht auf sein exklusives Verhältnis zu Goat? Die Geheimdienste sind intellektuell überfordert, die Heimat vor ausländischen Terroristen, und politisch nicht willens, sie vor inländischen zu schützen, amerikanische Manager und Wirtschaftsprüfer entpuppen sich als dreiste Betrüger, die eine ganze Nation um ihre Altersversorgung bringen, und der oberste Gerichtshof hat kürzlich 150 Todesurteile kassiert und sogar ein für allemal verboten, geistig Behinderte hinzurichten. Was soll nur aus einer Nation werden, die ihre debilen Mörder nicht mehr zu Tode spritzen darf? Und da der Präsident auch noch George W. Bush heißt, hilft bloß noch beten. Und diese letzte Bastion vor dem Untergang wollten Bundesrichter gestern schleifen! Doch die Nachkommen der Mayflower-Passagiere wären nicht die Urenkel von Sektierern, deren Eifer man in Europa nicht mehr ertrug, wenn dieses Urteil auch nur 24 Stunden Bestand gehabt hätte. Kongress und Repräsentantenhaus, Demokraten und Republikaner versammelten sich gestern spontan auf den Stufen des Kapitols, um auf die Fahne zu schwören; natürlich unter besonderer Betonung der Passage: one nation under goat. Wir in Deutschland sollten uns an diesen Männern und Frauen auf den Stufen des Kapitols ein Beispiel nehmen. Denn die PISA-Studie hat gezeigt, dass wir unsere Schulen dringend reformieren müssen. Frau Bulmahn und die Abderiten in der Kirchturmskonferenz sollten deshalb endlich die Einführung des Fahneneids in deutschen Schulen beschließen: Wir geloben, als eine Nation der Dichter und Denker, den Idealen des Humanismus treu zu dienen, still zu sitzen, fleißig zu lernen und keine Lehrer zu killen. So wahr mir Goat helfe! – Solingen den 28. Juni 2002

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