Big Time!

Hoppla, da habe ich doch glatt vor lauter Mannes- und Holzmännern, vor lauter Kieps und Kohls den Glogowski völlig übersehen. Lesern, die von dem föderalen System der Bundesrepublik Deutschland nur peripher tangiert werden, sei gesagt, dass Glogowski der Ministerpräsident von Niedersachsen, also so eine Art Gouverneur von Arkansas oder kurz gesagt ein Provinzfürst ist, bzw. war, denn er ist ja nun so schnell zurückgetreten, dass man mit Fug und Recht sagen kann, er habe im Guinessbuch der Rekorde einen Ehrenplatz für den schnellsten Rücktritt in der Geschichte der Bundesrepublik verdient.

Die SPD, die in Niedersachsen mit absoluter Mehrheit regieren kann, verfährt scheinbar nach dem Grundsatz ›Erfolge sozialisieren, Misserfolge personalisieren‹. Denn nichts ist so einfach, wie den Bockmist, den man angerichtet hat, zusammen mit einem Sündenbock zu entsorgen. Bockmist ist, so ehrlich sollte man schon sein, natürlich weit übertrieben, denn den hat Glogowski nun wirklich nicht fabriziert. Vielmehr ist ihm seine verkniffene Blässe zum Verhängnis geworden, sein Mangel an Fortune. Während sich Schröder immerhin zum Opernball nach Wien einladen ließ, um für seine Havanna einmal ein angemessenes Ambiente vorzufinden, flog Glogowski wie ein ganz normaler Spießer mit der TUI nach Ägypten. Das hat einfach kein Format. Ebensowenig das Bier, das ihm eine Brauerei zur Hochzeit spendiert hat. Wäre es Champagner gewesen, Glogowski säße noch im Amt. Wer aber, wie der Präsident eines Kegelclubs mit der Wirtschaft um die Ecke kungelt, der untergräbt einfach die Würde eines solchen Amtes.

Diese Scharte will die SPD nun auswetzen und schickt Sigmar Gabriel vor, den schwergewichtigen und wortgewaltigen Fraktionschef. Der wird die Dinge sicher anpacken, wie es sein Namensvetter Peter in ›Big Time‹ vorsingt. Klotzen statt Kleckern! – Na denn, auf zum Millennium-Skandal! – Solingen 27. November 1999

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