Alternativen zur Theatertreppe

Als die Treppentrolle merkten, dass sie ihr Treppenreferendum wohl verlieren würden, haben sie schnell den Kompromissvorschlag der weichgekochten Verwaltung akzeptiert, der eine Alternative zur Theatertreppe vorsieht. Doch wie könnte diese aussehen?

Wer das Lustspiel in fünf Akten im Detail nachlesen will, sei auf das Dossier des Solinger Tageblatts verwiesen.1 Der Sinn der Theatertreppe, das muss man leider immer wieder betonen, war, die Konrad-Adenauer-Straße durch eine repräsentative Verbindung zu Theater- und Konzerthaus aufzuwerten.2 Aber als hätte man geplant, den Kopfbahnhof in Schloss Burg für 20 Mrd. EUR unter die Erde zu verlegen, regte sich plötzlich überall in den besseren Wohngegenden von Solingen der Protest gegen diese Treppe in der armen Nordstadt (Gesamtkosten 36.000 EUR). Eine Bürgerinitiative setzte ein Referendum gegen die Treppe durch: Kosten 80.000 EUR. Eine Bürgerinitiative aus der Nordstadt sammelte dagegen Geld, um der Stadt den Eigenanteil für die Treppe in Höhe von 7000 EUR zu ersetzen. Die Fronten waren verhärtet. Ein Termin für das kostspielige Referendum wurde angesetzt. Doch dann merkten die Treppentrolle, dass sie diese Abstimmung vielleicht verlieren könnten. Und so hat man sich noch schnell im Hinterzimmer darauf geeinigt, dass die Treppe nicht gebaut und durch eine andere, ebenso geeignete Lösung ersetzt werden soll. Ein Planungs-Workshop, paritätisch besetzt aus Treppentrollen und Anwohnern soll diese Lösung finden. Kein Zuckerschlecken. Aber vielleicht kann man den Teilnehmern dieses Wiener Kongresses in Solingen die Zeit durch rauschende Bälle und andere Belustigungen verkürzen (Kosten 100.000 EUR).

Als verantwortungsbewusster Bürger dieser Stadt möchte ich da natürlich nicht zurückstehen. Deshalb hier ein paar Vorschläge zur Gestaltung des Theaterumfeldes. Wer unbedingt am falschen Ende sparen will, sollte sich die Deutsche Bahn zum Vorbild nehmen. Von der Bahn lernen, heißt siegen lernen! In Ohligs hat die Bahn für ihre ICEs die Bahnsteige provisorisch erhöht. Mit Metallplanken, wie sie in Baugerüsten verwendet werden. Rutschfest. Stabil. Sicher. Immer wenn ich in Solingen aus dem Zug steige, erinnert mich diese Konstruktion an einen Bahnhof in der DDR kurz nach der Wende. Die Metallplankenlösung dürfte sehr preisgünstig sein. Vielleicht kann man gebrauchte nehmen. Auch die Erhaltungskosten sind niedrig. Zum Säubern einfach nass abspritzen und verrostete Treppenstufen gelegentlich ersetzen. Das ist alles. Eine provisorische Metalltreppe ist überdies auch so hässlich, dass damit die Konrad-Adenauer-Straße ganz sicher nicht aufgewertet wird, was wenigstens die Treppentrolle zufriedenstellen dürfte. Den Anwohnern, die damit vielleicht Probleme haben, kann man zurufen: das ganze Leben ist ein Provisorium. Und eine Atmosphäre von Baugerüsten vermittelt dem zufälligen Besucher immerhin den Eindruck: Hier tut sich was! Diese Stadt ist im Aufbruch!

Natürlich gibt es noch mehr Einsparmöglichkeiten. Insbesondere könnte man Materialkosten einsparen, indem man die gigantischen Stahlbuchstaben, die den zufälligen Besucher am Hauptbahnhof unvermittelt mit der Willkommenskultur in Solingen konfrontieren, zu Treppenstufen umschmiedet. Dem Bahnhofsvorplatz würde das ganz sicher gut tun.

Doch Solingen wäre nicht Solingen, wenn man nicht auch auf völlig abseitige und kreative Lösungen verfallen würde. Wie wäre es beispielsweise mit einer Rutschbahn? Die Theaterbesucher könnten nach dem Besuch einer hochklassigen Tourneetheater-Vorstellung direkt vom Theater aus hinunter auf die Straße rutschen. Eine ideale Lockerungsübung nach dem langen Sitzen! Tagsüber wäre die Rutschbahn ein Magnet für Kinder, die durch sie spielerisch an die Kultur herangeführt würden. Links und rechts neben der Rutschbahn bringt man Taue an, an denen sich die Kinder und die Theaterbesucher auf dem abschüssigen Gelände wieder nach oben ziehen können. Das wäre ein Riesenspaß mitten in der Stadt. Ein Abenteuerspielplatz mit einem unauffälligen kulturellen Hintergrund, ideal für Solingen.

Man könnte auch Schienen rund um das Theater legen und den restaurierten Schnaufi darauf fahren lassen.3 Damit wären die wichtigsten beiden Symbole bürgerlichen Engagements in Solingen in trauter Zweisamkeit vereint: der Eisenschrott aus der Ohligser Heide, für dessen Restaurierung die Stadt auf Druck engagierter Bürger viel Geld ausgeben wird, und die verhinderte Treppe, für die sie keinen Pfennig hätte zahlen müssen, wenn aufrechte Bürger ihren Bau nicht verhindert hätten. Vielleicht kann man ja so auch die schöne Unterführung retten. Das wird ein Tunnel für Schnaufi. Mit dieser Lösung würde Solingen es garantiert in die überregionale Heute-Show schaffen.

Ich würde aus Umweltschutzgründen jedoch die Einrichtung eines renaturierten Trampelpfades für Treppentrolle befürworten, der sich in wilden Serpentinen von der Straße hinauf zum Theater schlängelt und von dichtem Urwald links und recht begrenzt wird, in dem die Treppentrolle hausen können. Das könnte zu einer wahren Touristenattraktion eskalieren. Ein Schild mit der Aufschrift ›Don’t feed the trolls‹ würde ich beisteuern.

Die Solinger Traditionsvereine werden sicher für einen Klingenpfad plädieren, um dem Solinger Produkt par excellence ein würdiges Denkmal zu setzen. Der Klingenpfad bestünde aus echten Solinger Messern – in China gefertigt und in Solingen gestempelt. Die Messer werden so eingegraben, dass die Klinge herausschaut, mit der scharfen Seite zum Theater. Diesen Pfad müssen dann beim Dürpel und Zöppkesmarkt die Kommunalpolitiker hochsteigen. Und wenn sie stolpern und den Hang hinunterrollen, werden sie unter dem Jubel der Wutbürger von den Messern zerschnetzelt und den Hunden der Treppentrolle zum Fraß vorgeworfen. Was man da an Sitzungsgeldern sparen könnte!

Nun ist aber genug. Wir dürfen gespannt sein, welche Lösung die paritätisch besetzte Treppenkommission auswählen wird. Ich fürchte nur, dass es am Ende auf ein Blumenbeet mit Stiefmütterchen in Form des Stadtwappens hinauslaufen wird.

Literatur

Kritik an geplanter Theater-Treppe - solinger-tageblatt.de. 2014. Internet: http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Dossiers/Kritik-an-geplanter-Theater-Treppe-867778e2-5162-4d8e-9d40-7ac9a59953ce-ds. Zuletzt geprüft am: 27.9.2014.

„Schnaufi“. 2014. Internet: http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Schnaufi-Geld-ist-wieder-da-3f6b7cc1-6c0f-4e90-8ff6-98a3aa25dc06-ds. Zuletzt geprüft am: 27.9.2014.

Fußnoten


  1. Kritik an geplanter Theater-Treppe - solinger-tageblatt.de. 2014. Internet: http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Dossiers/Kritik-an-geplanter-Theater-Treppe-867778e2-5162-4d8e-9d40-7ac9a59953ce-ds. Zuletzt geprüft am: 27.9.2014.

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  2. Vgl. Die Treppe [return]
  3. „Schnaufi“. 2014. Internet: http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Schnaufi-Geld-ist-wieder-da-3f6b7cc1-6c0f-4e90-8ff6-98a3aa25dc06-ds. Zuletzt geprüft am: 27.9.2014.

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