Wir sind nicht mehr Papst!

Willkommen im Panoptikum der Katholischen Kirche! Der Papst nimmt bekennende Antisemiten wieder in die Kirche auf und tut so, als wisse er von nichts. Das Oberhaupt der katholischen Kirche lügt uns dreist ins Gesicht und die Deppen, die einst schrien »Wir sind Papst!« gucken dumm aus der Wäsche.

Dem Papst, so lässt der Vatikan verlauten, geht es um die Einheit der Kirche, also um Macht. Worum auch sonst? Im 21. Jahrhundert wird sich ja wohl niemand, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, der Illusion hingeben, es ginge um den rechten Glauben. Wer wollte schon in den obskuren Glaubensbekennissen der zehntausend Kirchen irgendeinen Sinn ausmachen? Wer an diesen Humbug glaubt, ist bereits so weit vom Weg der Vernunft abgewichen, dass es auf ein paar Meter weiter nach links oder rechts nun auch nicht mehr ankommt. Warum soll ich mich darüber aufregen, dass einige von diesen Popanzen in der Karfreitagsbitte ihren inständigen Wunsch ausdrücken wollen, ihr Gott möge die Juden erleuchten? Wie groß muss denn nach Meinung dieser Inkontinenzen die Erleuchtungskraft eines Gottes sein, um das angeblich von ihm selbst auserwählte Volk zu erleuchten? So groß wie die iranische Atombombe? Oder so gründlich wie der Holocaust?

Die Vertreter des intelligenten Designs sind da sicher der Ansicht, dass das alles seine Richtigkeit hat und dass es eben ein besonders bösartiger Großer Geist war, der eine solche Verwirrung in der Evolution habe anrichten können. Was im Kopf von Gläubigen vorgeht, ist doch eine Frage, die man nur in der Psychiatrie oder im Rahmen der neurologischen Evolution ernsthaft diskutieren kann!

Alles andere ist eine Frage der Gewalt. Als die katholische Kirche auf dem Höhepunkt ihrer Macht war, brannten in Europa die Scheiterhaufen. Im 20. Jahrhundert kostete der Glaube an diverse -ismen Millionen Menschen das Leben. In islamischen Staaten gehört des Hass auf Juden, Schwule und Andersgläubige zur Staatsräson. Und selbstverständlich sind es jüdische Geistliche, die den Soldaten im Gaza nach ihren Einsätzen suggerieren, das Töten von Frauen und Kindern sei gottgewollte Selbstverteidigung. Die Einheit der Kirchen besteht schon lange – in der Verbreitung von Angst und Terror!

Der Sinn des Glaubens besteht in der Abrichtung der Menschen und dem Ausstoß derjenigen, die sich nicht zurichten lassen. Die Pius-Bruderschaft hetzt gegen Juden, Schwule und Moslems. Da gibt es große Schnittmengen mit dem Papst, den Moslems und den Nationalsozialisten, die von der Leibstandarte der Pius-Brüder ja auch fleißig in Schutz genommen werden. Gauführer Williamson geiferte schon 1989 gegen die Juden: »Dort wurden keine Juden in den Gaskammern getötet! Das waren alles Lügen, Lügen, Lügen! Die Juden erfanden den Holocaust, damit wir demütig auf Knien ihren neuen Staat Israel genehmigen.«

Er und Ahmadinedschad sollten vielleicht eine neue Kirche aufmachen. Irgendein Gott lässt sich bestimmt finden, den die beiden gemeinsam anbeten können.

Der deutsche Papst umarmt Antisemiten. Das nennt man dann wohl einen fundigen PR-Gau. Aber keine Sorge erzkonservative Nebelmaschinen wie die Rheinische Pest springen gleich in die Bresche und geben dem Papst eifrig Schützenhilfe. Sie drucken ein Interview ab, in dem sich die Pius-Bruderschaft vom Antisemitismus freiwaschen darf. Was ein gewisser Pater Franz Schmidberger in diesem Interview sagt, klingt wie Satire, ist aber, wie das Vorzeigen der Folterinstrumente im Inquisitionsprozess, durchaus ernst gemeint.

»Die Konzilsaussagen zu den Juden in ›Nostra Aetate‹ können nach einigen klärenden Worten so stehen bleiben, vorausgesetzt, man leitet aus ihnen nicht ab, die heutigen Juden hätten einen separaten Heilsweg außerhalb des fleischgewordenen Gottes, Unseres Herrn Jesus Christus.(…) Die katholische Kirche weiß sich als die von Christus dem Herrn gestiftete Heilsgemeinschaft, als einen geheimnisvollen Leib. In missionarischer Liebe will sie alle Menschen zu ihren Gnadenquellen der sieben Sakramente, der heiligen Messe als einem Sühnopfer, zum Papst als dem Statthalter Jesu Christi führen.«

Man sieht förmlich das große rosa Kaninchen vor seinem geistigen Auge Pogo tanzen, um das seit Jahrtausenden die Religionskriege und Ketzerprozesse toben.

Der Glaube an Gott ist eine schlechte Angewohnheit wie das Rauchen. Er mag neurologisch-evolutionäre Ursachen haben, aber die Erfahrung zeigt, dass präventive Maßnahmen, wie der Verzicht auf eine religiöse Erziehung von Kindern, dabei hilft, die Ausprägung einer gläubigen Persönlichkeit zu verhindern. Die Aufklärung über die Gefahren des Rauchens und Rauchverbote in der Öffentlichkeit haben dazu beigetragen, dass weniger Menschen rauchen. Wir sollte mit dem Glauben ähnlich verfahren.

Vielleicht denkt die Bildzeitung einmal darüber nach und titelt »Wir sind nicht mehr Papst!« Es wäre immerhin ein Anfang.

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