Online-Razzias find ich gut!

Eine Online-Razzia hat ihren Charme, geht sie doch viel diskreter vonstatten als ein SEK-Besuch am frühen Morgen, der viel Aufsehen erregt und Dreck, eingeschlagene Türen und Scherben hinterlässt.

Haben sich früher die Nachbarn die Hälse ausgerenkt, um einen Blick auf die Akten und Computer zu werfen, die man aus dem Haus nebenan abtransportierte, wirft die Staatsanwalt heute einen so diskreten Blick auf deine Festplatte, dass sich kein Nachbar mehr das Maul über einen vermeintlichen Steuerhinterzieher oder den mutmaßlichen Kopf einer Kinderporno-Bande zerreißen wird. Wenn das kein Fortschritt ist!

Ob uns ein Schäuble auf jeder Festplatte vor islamischen Terroristen schützen kann, steht zwar außer Frage – das ganz sicher nicht. Aber ein Blick auf die Festplatte seines Volkes dürfte sich für den Staat allemal auszahlen. Denn durch die guten alten Hausdurchsuchungen hat man sich früher viele Chancen verbaut. Einen Menschen, der vor seinen Nachbarn als Schwerverbrecher dasteht, kann man nicht mehr von den Vorteilen einer informellen Mitarbeit überzeugen. Schäuble, der bekanntlich die Einheit ausgehandelt hat, und sich daher mit der Geheimdiensttätigkeit der DDR bestens auskennen dürfte, bedauert es vielleicht, dass mit der Einheit das eng geknüpfte Netz aus IMs zerrissen wurde. Spitzel sind für jeden Staat eine außerordentlich praktische Einrichtung, wie wertvoll dagegen ein ganzes Volk von Spitzeln ist, erkennen die Politiker erst jetzt, wo es zu spät ist. Es war eben doch nicht alles schlecht in der DDR!

Wie gut, dass jeder Mensch durch eine Maschine ersetzbar ist. Denn nun werden die Spitzel eben durch Bundestrojaner ersetzt, die Schnüffel-Schäuble wahrscheinlich mit infizierten E-Mails vom Finanzamt mit dem Betreff »Steuerrückzahlung, bitte Anhang öffnen« auf gut 60 Millionen Festplatten einschmuggeln will. Virenscanner, die den Bundestrojaner aufspüren könnten, sind ja bereits verboten worden.

Dann also fröhliches Schnüffeln, Schäuble!

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