Kauft deutsche Korea-Handys!

Dass Telefongesellschaften Handys verschenken daran haben wir uns gewöhnt. Im letzten Jahr ist Siemens, das ›Global Network of Innovation‹, einen Schritt weiter gegangen und verschenkte gleich komplette Handy-Fabriken inkl. aller Patente. Wer jedoch schon einmal ein Siemens-Handy hatte und sich darüber geärgert hat, dass alle Freunde und Bekannten sehr viel coolere Mobilteile hatten, der weiß, dass der kluge Koreaner ein Siemens-Handy noch nicht einmal geschenkt nimmt, geschweige denn ein ganzes Handy-Werk. Also legte Siemens noch einmal einen dreistelligen Millionenbetrag oben drauf. Und was macht BenQ? Was jeder getan hätte! Die Koreaner nehmen die Patente und Millionen und geben Fersengeld, bevor es sich der Weihnachtsmann in München anders überlegt.

Es gehört schon verdammt viel dazu, aus dem Namen Siemens in Deutschland ein Schimpfwort und in der Welt eine Lachnummer zu machen. Aber es gibt eben immer wieder Menschen, die das scheinbar Unmögliche möglich machen.

Diese unternehmerische Glanzleistung von Siemens kann natürlich kein anderes deutsches Unternehmen übertreffen. Dazu bedarf es schon eines europäischen Gemeinschaftsunternehmens. Da entwerfen europäische Ingenieure ein Flugzeug, nach dem sich alle die Finger lecken, und dann verschläft man zwischen Hamburg und Toulouse die Auslieferungstermine. Aber es gibt einen Ausweg! Bald ist Weihnachten. Da kann EADS den Airbus mit einem dicken Bündel Patente und Geldscheine an die Chinesen verschenken. Die nehmen dann die Patente und das Geld und geben Fersengeld.

Die letzten Unternehmen in Deutschland, die nichts verschenken, sind scheinbar die, die dank einer willigen Riege von Wirtschaftsministern in den letzten Jahrzehnten gigantische Monopole aufbauen konnten. Die Energiekonzerne haben nichts zu verschenken, außer einträgliche Posten für ehemalige Wirtschaftsminister. Dabei ist so ein Monopol ja nichts anderes als praktizierter Patriotismus, eine Tugend, die wir in diesem Fußballsommer eigentlich gelernt haben sollten. Solange uns Gas- und Stromverbrauchern nichts anderes übrig bleibt, als bei raffgierigen deutschen Konzernen zu kaufen, braucht sich ein Vorstandsvorsitzender vor der Presse auch nicht mit dem Satz zu entblöden: Kauft bei BenQ ehemals deutsche Siemens-Handys, um deutsche Arbeitsplätze und koreanische Profite zu sichern!

Wer nun glaubt, dass es sich bei diesen Appellen um spontane Versprecher von Jungmanagern handelt, die von BILD solange an den Pranger gestellt werden, bis sie ihre Weisheiten exklusiv in BILD veröffentlichen, der irrt. Das ist alles Teil der Corporate Responsibility. Früher nannte man das und meinte man damit noch Verantwortung, heute umschreibt der Werbetexter von Siemens das auf der Unternehmens-Website so: »Unser Handeln richten wir an klar definierten ethischen Maßstäben aus. Eine verantwortungsvolle Corporate Governance unterstützt unsere langfristige Wertschöpfung und stärkt das Vertrauen von Aktionären, Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Politik sowie der Öffentlichkeit in unser Unternehmen.«

Dabei fällt mir ein, dass demnächst die ersten Atomkraftwerke stillgelegt werden sollen. Man könnte doch wie Siemens Corporate Responsibilty zeigen und die Werke an die Russen verschenken. Natürlich nicht ohne noch etwas oben drauf zu legen. Vielleicht die Patente zu einer Magnetschwebebahn?

Und wenn ich kein naiver Sudler, sondern ein smarter Jungmanager wäre, dann würde ich meine Sudeleien hier nicht einfach verschenken! Dann bekäme jeder Leser noch etwas obendrauf und ich 30 Prozent mehr! Nur leider habe ich weder Patente noch Millionen.

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