Y2K-Bug: Jelzin rechtzeitig abgeschaltet

Der russische Präsident, Boris Jelzin, ist nicht Jahr-2000-fähig.

Kurz vor der Jahrtausendwende hat eine medizinische Routineüberprüfung des russischen Präsidenten ergeben, dass sein Herzschrittmacher nicht Y2K-fähig ist und um Null Uhr Moskauer Zeit seine Arbeit einstellt und mithin den Präsidenten abschaltet. Um die damit einhergehenden Probleme zu vermeiden, hat die Kremlführung beschlossen, den Präsidenten schon heute, rechtzeitig vor dem Datumswechsel, abzudanken und Putin per Erlass zum Präsidenten zu küren: ein Verfahren, das in Russland seit Jahrhunderten üblich ist, will man nicht jedesmal auf den Tod des Zaren warten. Um westliche Beobachter zu beruhigen, die nicht nur den Präsidenten, sondern ganz Russland für nicht Y2K-tauglich halten, hat man vorgezogene Präsidentschaftswahlen angekündigt. In drei Monaten soll ein neuer Präsident gewählt werden, und da man sich einen Wahlkampf in Russland ohne tägliche Siegesmeldungen aus Grosny kaum vorstellen kann, brechen für Tschetschenen wohl schwere Zeiten an, wenn es denn überhaupt noch schlimmer kommen kann.

Vermutlich kann es das aber, falls die russische Armee ab morgen nicht abgezogen werden muss, um ihre eigenen Landsleute daran zu hindern, Gegenden fluchtartig zu verlassen, die von außer Kontrolle geratenen Atomkraftwerken atomar verstrahlt wurden.

Der rechtzeitig abgeschaltete Boris Jelzin soll jedenfalls Gerüchten zufolge im Lenin-Mausoleum aufgestellt werden: zur Abschreckung westlicher Politiker, die nie vergessen sollten, dass Russland über ein riesiges Arsenal atomarer Vernichtungswaffen verfügt. – Solingen 31. Dezember 1999

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