Kleinbürgers Mordlust

Wenn den Kleinbürger die Mordlust packt, trinkt er sich Mut an, um Obdachlose totzutreten oder Asylbewerberheime anzuzünden, oder er wählt eine rechte Partei, damit eine Staatspolizei für ihn mordet und er selbst sich für seine Barbarei auf Befehlsnotstand berufen kann. Und wenn er sich dann an seiner Mordlust berauscht hat, Länder verwüstet, Millionen gemordet wurden, dann findet er sich als erster wieder im Leben zurecht, versteckt seine Gier nach dem Blut der Anderen und gibt die Mordlust an Söhne und Enkel weiter, an Töchter und Enkelinnen weiter. Wie recht man doch hat, ihm zu misstrauen; hinter den Mohrenköpfen seinen Rassismus, hinter dem Zigeunerschnitzel das Ressentiment zu wittern. Die Mordlust steht schon wieder, wieder einmal, vor der Tür, hofiert von der kleinbürgerlichen Journaille und finanziert vom Großbürger, vom Milliardär, vom Oligarch. Die Stützen der Gesellschaft untergruben den Staat, der sich ohne Widerstand der Mordlust hingeben will. Und die Demokratie? Das Versprechen auf eine gute Zukunft? Erweist sich als Lüge, als Winterlager der Mordlust, das den Mördern Unterschlupf gewährte, bis ihre Zeit wieder einmal gekommen war.