Auf dem Weg zum Billionär
Die erste Woche von Trumps Krieg gegen den Iran soll die USA 11 Milliarden US-Dollar gekostet haben. Das melden unsere öffentlich-rechtlichen Medien. Die PR-Papageien verschweigen dabei natürlich tunlichst, dass Kosten hier, Gewinne dort sind, nämlich bei den Aktionären der Waffenfabriken, die an jeder Bombe prächtig verdienen.
Bloß noch ein paar Tage Krieg dann ist Elon Musk der erste Billionär des Planeten. Vielleicht geht es aber noch viel schneller. Denn die elf Milliarden Dollar sind nur ein kleiner Teil der Milliarden, die dank des Krieges aus unseren Taschen in die Schatullen des größten Kapitalisten aller Zeiten wandern. Die steigenden Ölpreise lassen bei Musk ebenfalls die Kassen klingeln. Und selbst ein versenkter Öltanker ist ein Gewinn für Big Elon, denn der Tanker muss irgendwann ersetzt werden, was den Werften des baldigen Billionärs ebenfalls einen vorher gut kalkulierten Geldsegen verschafft. Steigende Mieten und explodierende Kosten für die Lebenshaltung: was uns Sorgen macht, ist für einen Billionär bloß Kleckerkram, den sein Immobilienimperium und seine Handelsketten natürlich gerne mitnehmen. Und selbst dann, wenn die spritgeilen Amerikaner auf Elektromobilität umsteigen sollten, um sich von den Öl-Milliardären zu befreien, würde Musk mit Tesla immer noch profitieren.
US-Billionäre haben bloß vor zwei Dingen Angst: China und das Klassenbewusstsein der verarmten Massen. Von Letzterem findet man zwar nirgends eine Spur, aber China macht unseren Milliardären zunehmend Angst. Früher haben sie dort in den chinesischen Fabriken ihre einhundertste oder zweihundertste Milliarde gemacht, heute müssen sie sogar für chinesische Rohstoffe wie Seltene Erden tief in die Tasche greifen. China hat mittlerweile seine eigenen Milliardäre und diese hat es gut im Griff. Die verschwinden auch schon mal für Monate von der Bildfläche, wenn sie zu machtgierig werden, um irgendwann geläutert und bescheiden wieder aufzutauchen. China ist aus Sicht der US-Milliardäre komplett außer Kontrolle geraten.
Um so wichtiger ist es, jedes Klassenbewusstsein im eigenen Haus im Keim zu ersticken, selbst dann, wenn Keime kaum zu erkennen sind. Gegen das Klassenbewusstsein kennt der reiche Amerikaner drei wirksame Mittel: den amerikanischen Traum, den Rassismus und die Verdummung des Volkes. Solange die Armen das Glückspielmärchen glauben, es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen zu können, knüpfen sie die Reichen nicht am nächsten Telefonmast auf. Solange die Weißen die Schwarzen hassen und die Schwarzen die Weißen, marschieren sie nicht gemeinsam in die Gated Communities der Reichen ein. Und solange sie allesamt dumm gehalten werden, glauben die Armen sogar, womit sie ein seniler, geiler Greis mit dem Wortschatz eines durchschnittlichen Fox-News-Konsumenten rund um die Uhr auf Social Truth zutextet. Rassismus, Dummheit oder Verblendung – wirkt das eine Mittel nicht, wirkt das andere, und die Kassen klingen weiter.
Verblendung kann übrigens anders als Rassismus und Dummheit nicht einfach durch Aufklärung beseitigt werden. Von dem Tellerwäscher-Märchen gibt es bereits ungezählte neoliberale Varianten. Das Themenspektrum reicht von der Selbstausbeutung prekärer Selbstständiger über New Work bis hin zu den Identitätspolitikern, die immmer neue Randgruppen entdecken, die aus patriarchalen Strukturen befreit werden müssen. Ob du dich aber selbst ausbeutest, keinen eigenen Schreibtisch mehr hast oder in dir ein neues, völlig individuelles Geschlecht entdeckst – dein Erspartes geht trotzdem früher oder später an Musk.
Der erste Billionär des Planeten muss sich also keine allzu großen Sorgen machen. Die Vorstellung, dass FLINTA*s zur Flinte greifen und Seite an Seite mit der sozial abgehängten weißen Unterschicht, die heute noch Trump hinterherläuft, die Paläste der Reichen und Superreichen stürmen, ist absurder als die, dass Elon Musk zu einem Gespräch nach Peking eingeladen wird und nach einigen Monaten als neuer Mensch zurückkehrt.