Senk ju vor träweling wiz Deutsche Bahn!

Wenn man von der CeBIT kommt, auf der es Innovationen hagelt, ist man froh, wenn man am Hauptbahnhof Hannover sieht, dass es Dinge gibt, die sich nie ändern.

Da fährt bereits seit vielen Jahren ein ICE von Berlin nach Köln, der in Hamm geteilt wird. Die eine Hälfte fährt übers Ruhrgebiet und Düsseldorf weiter, die andere über Hagen und Wuppertal. Ein Umsteigen während der Fahrt ist nicht möglich. Wer sich also beim Zugfahren entspannen möchte, sollte möglichst in den richtigen Zugteil einsteigen.

Nun könnte man auf den naiven Gedanken verfallen, dass dies ja nun eigentlich eine triviale Sache sein müsste, denn die ICE-Waggons haben bekanntlich alle eine elektronische Anzeige neben den Eingangstüren, auf denen die Fahrtroute verzeichnet ist. Außerdem gibt es Anzeigetafeln auf dem Bahnhof, die darauf hinweisen könnten, in welchen Abschnitten welcher Zugteil steht. Und zum dritten gibt es noch die Zugansage vom Band, die uns seit vielen Jahrzehnten eintrichtert, dass die erste Klasse in den Abschnitten A und B und die zweite Klasse in den Abschnitten C bis E zum Stehen kommt. Die Deutsche Bahn hat also ein ganzes Arsenal von Möglichkeiten, um dem Reisenden den richtigen Weg zu weisen. Aber mit hohem Aufwand vermeidet sie überall jede noch so kleine Anspielung auf den richtigen Zugteil.

Die elektronischen Anzeigen an den Waggons lassen die interessanten Haltestellen (also Wuppertal bzw. Düsseldorf) aus, damit nicht erkennbar ist, welchen Weg dieser Zugteil nehmen wird. Die Anzeigetafel bringt es fertig, den Reisende über die Position der Zugteile komplett im Dunkeln zu lassen. Und wenn man der Zugansage vom Band zuhört, hat man den Eindruck, man befände sich in einer Quizsendung. Denn die nette Dame sagt lediglich, dass es sich um zwei Zugteile handele und man gebeten werde, in den richtigen einzusteigen.

Offensichtlich unterliegt die Information, welcher Zugteil wo steht, der höchsten Geheimhaltungsstufe. Sie wird nur mündlich von Passagier zu Passagier weitergegeben. Oder man muss halt im Gedränge einen Zugbegleiter fragen. Glücklicherweise bin ich nicht kontaktscheu und beherrsche die Landessprache, sodass ich bisher immer in den richtigen Zugteil eingestiegen bin.

Ich wundere mich jedesmal über die Engelsgeduld dieser Zugbegleiter, die in Hannover keinen Schritt tun können, ohne von orientierungslosen Reisenden angesprochen zu werden. Vierzig bis fünfzig Mal müssen Sie die Frage beantworten, ob dies nun der Zugteil nach Wuppertal oder nach Düsseldorf sei. Das kostet natürlich Zeit, aber da hat die Bahn vorgesorgt. Der ICE hat in Hannover planmäßig mehrere Minuten Aufenthalt. Senk ju vor träweling wiz Deutsche Bahn!

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