Vom Nutzen und Frommen des Sammlertriebs

Wer kennt das nicht? Uralter Krempel stapelt sich auf dem Speicher, im Keller oder sogar in der Wohnung selbst. Der gezogene Backenzahn, das Freundschaftsbändchen aus den 70ern, alte Tim-und-Struppi-Hefte, ein alter Atari, Klamotten, die einem nicht mehr passen, Bücher, für die man sich eigentlich schämen sollte, Schulhefte, die man irgendwann vor den eigenen Kindern verstecken muss – und das alles nur, weil man sich von alten Sachen nicht trennen kann. Als würden die Dinge aus der Jugend das Altern verzögern oder uns bei Gevatter Hein einen Freifahrtschein besorgen! – Doch man kann ja nie wissen. Vielleicht lässt sich das eine oder andere später noch einmal gut gebrauchen. Deshalb: immer alles schön aufheben.

Monika Lewinsky z. B. profitiert jetzt von dieser uns alle so oft übermannenden menschlichen Schwäche. Wie gut, dass sie das Kleid, das sie trug, als der mächtigste Mann der Welt es ihr besorgte, nie in die Reinigung gegeben hat. Wer kann schon eine solche Trophäe vorweisen? So ein Kleid kann natürlich schnell zu einer Art bioliterarischem Tagebuch werden, das für Sonderermittler spannender wäre, als eine Folge ›Akte X‹. Ja, die Zeiten ändern sich. Man stelle sich mal vor, zur Zeit der Nitribitt im Jahre 1957 hätte man mit Hilfe ihres Kleiderschranks eine vollständige Kundenliste der Edelprostituierten erstellen können. Da wäre vielleicht einiges zusammengekommen. Naiv mutet es da schon an, wenn die Lewinsky dem Großinquisitor ein Foto mit Widmung von Bill Clinton übergibt, um zu beweisen, dass sie mit dem Präsidenten eine Beziehung gehabt hat. Was wiegen ein paar nette Worte auf der Rückseite einer Autogrammkarte gegen Original-DNA aus den präsidialen Hoden?

Ich könnte weitere Beispiele anführen, um den Nutzen des Sammlertriebs zu belegen, werde mir das aber für später aufheben. Zunächst sollte ich ein Fazit ziehen: Was lernen wir Männer aus diesem schlüpfrigen Justizdrama?

Niemals ohne!

Den gebrauchten Pariser hinterher wieder einstecken und mitnehmen. Niemals bei ihr liegen lassen! Vielleicht sammelt sie sowas und klebt ihn in ihr Tagebuch, das ruckzuck mehr Zinsen abwerfen könnte als so manches Sparbuch. – Solingen 5. August 1998

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