BRD 60 / Teil 4: Die Open-Source-Gesundheitsreform
Es wäre nicht nur einen Versuch wert, die Problemlösungsmethoden von Open-Source-Communities bei komplexen gesellschaftlichen und politischen Problemen in Anschlag zu bringen – es ist höchste Zeit dafür.
So ist niemand besser geeignet, ein funktionierendes Gesundheitssystem zu entwickeln als der gesetzlich Versicherte selbst, da er die Leistung nicht nur empfängt, sondern sie auch bezahlen muss. Niemand ist stärker an einer langfristigen und guten Lösung interessiert als er. Denn er steht nicht wie die so genannten Experten im Sold einer der vielen Interessensgruppen. Die Versicherten selbst würden ein Gesundheitssystem aufbauen, in dem die begrenzten Ressourcen optimal alloziert würden, da sie einerseits an einer guten Versorgung und andererseits an niedrigen Kosten interessiert sind. Sie empfangen die Leistungen und müssen die Kosten dafür aufbringen. Eine bessere Voraussetzung für optimale Lösungsansätze gibt es nicht. Mit den heutigen Mitteln der Zusammenarbeit im Internet könnte man gewiss sein, in kürzester eine Auswahl belastbarer Lösungen begutachten und testen zu können. Da diese Mittel im Web kostenlos zur Verfügung stehen, könnten die Versicherten heute damit beginnen, das Gesundheitssystem von morgen zu entwickeln, ohne auf ihre Politiker zu warten, die in Jahrzehnten keine Lösung zustande gebracht haben.
Was eine bessere Gesundheitspolitik garantieren würde, wird auch auf anderen Problemfeldern den Knoten lösen. Wer ist in der Lage ein gerechtes und effizientes Steuersystem einzuführen, wenn nicht der Steuerzahler, der Nutznießer staatlicher Leistungen ist, diese aber zur gleichen Zeit auch bezahlen muss? Wer könnte effizienteres Bildungssystem etablieren als diejenigen die Lernen und Lehren? Und wer böte größere soziale Sicherheit bei größtmöglicher Effizienz, wenn nicht derjenige, der auf Hilfe angewiesen ist und der, der sie geben soll? Man darf die Verantwortung für die Lösung nur nicht aus der Hand geben!
Das Argument, dass die Betroffenen nicht in der Lage seien, das Ganze zu überschauen, gilt im Zeitalter der Schwarmintelligenz nicht mehr. Ebenso ungültig ist das Argument, dass der Bürger seine Angelegenheiten gar nicht selbst in die Hand nehmen wolle. Mit diesen beiden Argumenten versucht Microsoft seine Anwender zu knebeln. Der Konzern behauptet bis heute, die Bedürfnisse des Anwenders besser zu kennen als der Anwender selbst; ganz sicher aber wolle der Anwender sich nicht um die Entwicklung der Anwendung kümmern! Letzteres mag oft richtig sein. Der durchschnittliche Benutzer will den Computer benutzen, nicht verstehen. Doch mit der Selbstständigkeit wächst nicht nur der Handlungsspielraum, sondern auch der Wille zur Tätigkeit. Als die Anwender entdeckten, dass sie im Open-Source-Bereich mehr Freiheit und Handlungsspielraum hatten, haben sie diesen auch im wachsenden Maße genutzt. Der isolierte Nerd wurde zum geselligen Geek, aus der Hartnäckigkeit Einzelner ein Massenphänomen.
Was fehlt ist der schlichte Entschluss
Sobald die Versicherten, die Steuerzahler, die Lernenden und Lehrenden, die Hilfesuchenden und Hilfegebenden erkennen, dass sie an einem Lösungsansatz mitarbeiten können, den keine Partei und keine Lobby mehr vom Tisch wischen können, werden sie ihren Spielraum auch aktiv nutzen. Schneller und nachdrücklicher als unseren Politikern lieb sein wird.
Den Entschluss dazu kann ihnen niemand abnehmen. So wie kein anderer besser dazu befähigt ist, ein effizientes Gesundheitssystem aufzubauen, als der Versicherte selbst, genauso ist niemand anders in der Lage, den Prozess der offenen Problemlösung in Gang zu setzen als eben diese Versicherten. Nur wenn sie selbst die Spielregeln festlegen, unter denen sie eine oder mehrere Lösungen entwickeln, werden sie die Lösungsansätze auch als die ihrigen akzeptieren. Kein Politiker, kein Staat kann dies mit einer werbewirksamen Open Politics Aktion übernehmen. Das Neue kann nur auf Trümmern entstehen. Erst wenn sich die Hoffnung auf Lösungen innerhalb unserer politischen Strukturen wie das Deutsche Reich 1945 in Rauch aufgelöst hat, werden die Bürger ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen. Dieser Zeitpunkt ist hoffentlich bald gekommen.

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