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Ein Schulbuch für alle Deutschen

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Wenn Frau Schavan, Ministerin ohne Geschäftsbereich, einheitliche Schulbücher für ganz Deutschland fordert, fühlt sich Frau Ute Erdsiek-Rave an die DDR erinnert. Sie fragen sich nun vielleicht: Wer ist Frau Ute Erdsiek-Rave?

Der Doppelname deutet darauf hin, dass sie irgendetwas mit Gedöns zu tun haben muss, also mit Frauen, Kindern oder Senioren. Und da haben wir auch genau ins Schwarze getroffen. Frau Ute Erdsiek-Rave ist für Kinder zuständig, genauer gesagt für Schulkinder; sie ist nämlich eine der 16 Bildungszwerginnen und verantwortlich für die Misere im Duodez-Fürstentum Schleswig-Holstein. In Deutschland ist die Kultur bekanntlich Ländersache und in der großen Förderalismusreform hat der Bund kürzlich erst die letzten Kompetenzen für die Bildung an die Länder abgegeben, die seit Jahrzehnten ihre Unfähigkeit unter Beweis stellen.

Dass die Ministerin ohne Geschäftsbereich sich als Bildungszwergin von Baden-Württemberg gegen ähnliche Vorschläge der damaligen Ministerin ohne Geschäftsbereich, Frau Edelgard Buhlman, gesträubt hat, sollten wir ihr nicht als inkonsequentes Verhalten vorhalten. Was Bildungsministerinnen sagen ist von einer geradezu erdrückenden Belanglosigkeit und man mühte sich bloß unnötig ab, in den ins Sommerloch gestreuten Worten semantisch verwertbare Informationen vorfinden zu wollen.

Es ist auch verwegen von einer Bildungspolitik zu sprechen, da dieses Wort Vorstellungen von Kohärenz und Zielstrebigkeit evoziert. Nichts läge ferner! Selbst der Plural, so sinnvoll er – angesichts der 16 Duodeztümer – auch beim ersten Hören klingen mag, verbietet sich.

Frau Alexandra Dinges-Dierig – der Doppelname lässt nichts anderes befürchten, als dass es sich hier ebenfalls um eine Bildungszwergin handelt, nämlich um die besonders kleine Gnomin aus Hamburg – Frau Dinges-Dierig äußerte Sympathie für den Vorschlag der Bundesministerin ohne Geschäftsbereich. Man könne den Vorschlag prüfen, wenn durch einheitliche Bücher die Kosten geringer würden. Vermutlich hat Frau Dinges-Dierig den Vorschlag missverstanden und glaubt, dass sich die Schüler in Hamburg ein Schulbuch mit Schülern aus anderen Bundesländern teilen sollen. So könnten die Hamburger Schüler nachmittags zur Schule gehen, sodass sie zur Mittagszeit, wenn die Schüler in Niedersachsen nach Hause gehen, deren Schulbücher übernehmen und abends wieder zurückgeben.

Dass Frau Ute Erdsiek-Rave mit ihrem DDR-Vergleich nicht ganz falsch liegt, zeigen die Reaktionen aus den Duodeztümern der ehemaligen DDR. So stellen sich Jan-Hendrik Olbertz aus Sachsen-Anhalt, bei männlichen Bildungszwergen ist der Vorname doppelt, und Henry Tesch aus Mecklenburg-Vormpommern, keine Regel ohne Ausnahme, voll und ganz auf die Seite der Bundesministerin ohne Geschäftsbereich. Da muss jeder Bildungszwerg im freien Westen hellhörig werden und – falls überhaupt möglich – noch verstockter auf die Kulturhoheit der Länder pochen.

So schön die Vorschläge von Frau Schavan das Sommerloch auch ausfüllen mögen, es werden noch viele Bundesministerinnen ohne Geschäftsbereichs im Sommer Löcher füllen dürfen, bis das Pisa-Loch endlich zugeschaufelt ist. Bis es aber soweit ist, werden die 16 Zwerge mit ihren 32 Namen hinter den 16 Bergen noch einige Jahrzehnte ihr Unwesen treiben. Vermutlich so lange, bis es in Deutschland nur noch ein Schulbuch gibt: den Koran.

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