Bulimie und Amokläufe
Kleine Mädchen lesen Modemagazine und kriegen Bulimie. Jungs spielen Killerspiele, spielen mit Waffen und werden zu Killern. So die einfache Gleichung. Vielleicht ist es ja wirklich so einfach.
Während alle Welt davon überzeugt ist, dass das dünne Vorbild unserer Mannequins Mitschuld daran trägt, dass sich so viele Mädchen und junge Frauen halb zu Tode hungern, wird der Zusammenhang von Vorbild und Imitation bei Killerspielen immer wieder in Zweifel gezogen. Dabei kann doch nichts so offensichtlich sein wie dieser Zusammenhang.
Natürlich wird nicht jeder, der Killerspiele spielt zum Killer. Jeder kennt ja auch einen Großvater, der jeden Tag zwei Schachteln Reval ohne geraucht hat, ohne Krebs zu bekommen. Natürlich muss es da noch eine psychische Störung vorliegen, bevor man zur Waffe greift. Und es muss natürlich auch eine Waffe vorhanden sein, sonst wird es ein Amoklauf mit Fäusten. Denn wenn der psychisch Gestörte keine Killerspiele spielt und auch keine Waffen besitzt, wird er anders und vielleicht weniger blutig Amok laufen: mit Fäusten, mit einem Messer.
Killerspiele stumpfen nicht nur ab. Die Ego-Shooter heißen nicht umsonst so. Sie setzen das Ich als Helden, als Killer. Während man in der Wirklichkeit seine völlige Machtlosigkeit gegenüber den Zuständen erlebt, kann man im Spiel wirken. Man erreicht etwas, und wenn es nur das nächste Level ist. Politik ist nicht deshalb bei Jugendlichen out, weil sie langweilig ist. Sie ist out, weil politisches Engagement absolut wirkungslos ist. Die Konzerne haben die Politik längst privatisiert. Das ganz große Geld und nicht die Politiker regieren die Welt. Deshalb ist Politik out, weil sie schon vor Jahren gestorben ist.
Elektronische Vorbilder schaffen Nachbilder in der Wirklichkeit. Es hängt vom Willen einer Gesellschaft ab, welche Vorbilder sie zulassen will. Wenn sie als liberale Gesellschaft alle Vorbilder zulassen will, muss sie mit den entsprechenden Nachbildern leben.
Die Gewaltvisionen der Killerspiele sind längst zu einer kollektiven Bildersammlung geworden. Die Bilder reihen sich ein in die sonstigen Bilderwelten: mühelos konsumierbarer Reichtum, ewige Jugend und spindeldürre Schönheit.
Und uns fehlt die Metadiskussion darüber, was wir wirklich wollen. Was wollen wir hier eigentlich auf diesem Planeten?





Was wir hier wollen?
Guten Morgen Schafsherde.
Und Bald gute Nacht.