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Böses Mädchen

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Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin. Susanne Osthoff ist ein böses Mädchen, das es bis in den Irak geschafft hat. Vater Staat und Mutter Bild sind nun böse und streichen ihr das Taschengeld für ein deutsches Kulturinstitut, das sie im Norden des Iraks aufbauen will und bestrafen sie mit Liebesentzug.

Letzteres dürfte der bösen Susanne egal sein, denn in Deutschland hat sowieso nur eine Handvoll Menschen für ihre Freilassung demonstriert. Das übrige Deutschland gefällt sich in Entrüstung und insgeheimer Schadenfreude.

Zugegeben, Susanne Osthoff hätte sich ein friedlicheres Land als Heimat aussuchen können. Die USA vielleicht, das Land der Todesstrafe. Niemand hätte von ihr verlangt, nach Deutschland zurückzukehren, wenn sie dort von einem der üblichen Amokschützen halb tot geschossen worden wäre. Nein, Susanne Osthoff musste sich ein Land als Heimat aussuchen, das Jahrzehnte lang von den USA kaputt gemacht wurde. Erst haben die Amerikaner, was sie gerne tun, einen Mörder unterstützt, sein Volk zu morden, dann haben sie das Morden gemeinsam mit den Briten und anderen Verbrechern selbst übernommen.

Und nun fordern Spießbürger, wie Brunhilde Irber, eine bislang namenlose Hinterbänklerin der SPD und Norbert Geis, ein ebenso bedeutungsloses Nichts aus der CSU, dass der Irak ihr die Einreise verweigern solle: »Die irakische Regierung kommt ja in Misskredit, wenn dort ständig Entführungen stattfinden.« Man hält sprachlos den Atem an! Schuld an den Entführungen sind die Entführten, eine Logik, wie sie wohl nur in Deutschland gepflegt wird. Auch einer der überflüssigen Europaabgeordneten der CDU mit dem sinnigen Namen Roland Gewalt tritt als erboster Vater dem bösen Mädchen gegenüber auf: »Sollte Frau Osthoff trotz Warnung und Entführung wieder in den Irak reisen, halte ich es nicht für geboten, dass ihr die Bundesregierung erneut konsularischen Schutz bietet.« Da fordert das geistige Fähnlein in Bildzeitungswinde gleich einen ordentlichen Verfassungsbruch von der Bundesregierung. Der Stammtisch hat sein Urteil gefällt. Susanne Osthoff ist ein böses Mädchen, mit dem man nichts als Scherereien hat.

Wahrscheinlich spricht aus der ganzen spießbürgerlichen Entrüstung dieser namenlosen Diäten- und Hartz-IV-Empfänger bloß Neid. Sie sind neidisch, weil Susanne Osthoff es geschafft hat, Deutschland und seine Arbeitsämter, Schuldenberge und Angstsparer hinter sich zu lassen. Sie sind wütend, weil dieses böse Mädchen ein völlig zerschlagenes Land dem Deutschland von heute vorzieht. 


Alles ist besser als Deutschland, selbst der Irak, so radikal hat die Misere Deutschland noch niemand beschrieben.

Solingen, den 28.12.2005

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