2004
Sudeleien aus dem Jahr 2004
Privatisierung des Wirtschaftsministeriums
Die Bundesregierung muss bekanntlich sparen, zu drückend ist die Schuldenlast, die unsere Volksvertreter in den letzten Jahrzehnten aufgetürmt haben. Das hat Gerhard Schröder schon vor Jahren erkannt und ließ das Wirtschaftsministerium outsourcen. Bald sollen weitere Ministerien folgen und auch eine Privatisierung des Parlaments ist bereits im Gespräch.
Der Berliner Sklavenmarkt
Seit einigen Tagen treiben allerlei Sklavenhändler ihre Ware auf den Jahrmarkt des parteipolitischen Kalküls. Die lustige Fleischbeschau dient der Auswahl des ersten Dieners im Staate. Nun scheint Donna Angela mit ihrer Importware aus der neuen Welt den Zuschlag zur Lieferung des nächsten Bundespräsidenten bekommen zu haben.
Führungsqualitäten oder: Lieber ein Logenplatz beim Opernball als ein Freitisch in der Suppenküche
Worin bestehen eigentlich die Führungsqualitäten unserer Politiker? Friedbert Pflüger und Ernst Welteke gaben darauf kürzlich eine Antwort.
Der Rücktritt als Fortschritt
Von heute auf morgen könnten wir die Arbeitslosigkeit besiegen, wenn die Beschäftigungslosen wie Welteke und andere Vorteilsnehmer von ihrem Amt zurücktreten könnten, statt sich in die Warteschlange im Arbeitsamt einreihen zu müssen.
Man spricht Deutsch
Neulich schickte Osama bin Laden wieder eins seiner berüchtigten Bulletins an seinen Haussender Al Dschasira, in dem er den »Nachbarn nördlich des Mittelmeers« unter der Bedingung, dass sie ihre Truppen aus allen islamischen Ländern zurückziehen, einen Waffenstillstand anbot. In diesem Kassiber zeigte sich der Alte vom Berg zwar nicht als schöner, aber auch nicht als ungebildeter Wilder, sondern als Schöngeist, der die Sprache der Dichter und Denker zu schätzen weiß.
Festsau im Swingerclub oder: unamerikanisches Verhalten
Die meisten Satiriker überziehen nur deshalb ungemein, weil sie insgeheim hoffen, die Wirklichkeit würde sie endlich einmal Lügen strafen. Das tut sie jedoch bekanntlich nie. Deshalb unterscheiden sich die guten von den weniger guten Satiriker nur dadurch, dass Erstere von der Wirklichkeit später eingeholt werden.
Abschreibungsparadies Deutschland
Als Vodafone jetzt verkündete, man werde imaginäre Buchverluste in Milliardenhöhe, die durch den gesunkenen Kurs der Mannesmann-Aktien entstanden seien, von der Steuer absetzen und damit selbst Phantasieverluste sozialisieren, dürfte so mancher T-Aktionär seine letzte Steuererklärung hervorgekramt haben, um nachzurechnen, wie viel Steuern er gespart hätte, wenn sein Steuerberater ein Meister seines Fachs gewesen wäre.
Der Kaugummi in der Umkleidekabine
Eins-eins gestern gegen Holland, das war kein schlechter EM-Auftakt. Aber wie wäre das Spiel ausgegangen, wenn Rudi Völler genauso viel Macht hätte wie Gerhard Schröder? Wenn Müller-Wohlfarth wie Angela Merkel eine Bundesratsmehrheit hinter sich hätte und Sepp Meier wie Edmund Stoiber dauernd dazwischenfunken könnte? Die Holländer wären heute im siebten Himmel.
Nationalmannschaft billig abzugeben
Deutschland spielt wie Deissler krank: so könnte man auf Trappatonisch den depressiven Zustand des deutschen Fußballs wohl recht treffend beschreiben. Wir schießen keine Tore, haben Angst, den Ball zu bekommen oder, wenn wir ihm partout nicht ausweichen konnten, zu verlieren, und jetzt haben wir noch nicht einmal einen Trainer.
Das Sudelbuch macht reich!
Stellen Sie sich vor, liebe Leserin, lieber Leser, das Chaos bräche aus – nicht das kreative Chaos, sondern ein recht böses und schreckliches Durcheinander, in dem alles drunter und drüber geht, alle Werte entwertet werden und das Abendland untergeht – und Sie säßen mittendrin und bemerkten nichts! Mit so viel Blindheit geschlagen zu sein, ohne sich einen taubstummen Fels in der Brandung nennen zu können, ist peinlich. Doch genau dies ist seit knapp sechs Jahren mein Schicksal.
Der olympische Geist in der Dopingflasche
Das Feuer ist erloschen und der olympische Geist kriecht zurück in seine Flasche mit Wachstumshormonen, wo er in den nächsten vier Jahren wieder für überraschende Leistungssteigerungen sorgen wird.
GePISAkt
Heute kaufte ich mir mal wieder die ›taz‹. Gleich auf der ersten Seite sprang mir folgende Überschrift entgegen: »Deutschland spart sich dumm«. In dem Artikel ging es um die heute veröffentlichte OECD-Studie, nach der sich der Bildungsnotstand in Deutschland weiter verschlimmert habe. »Deutschland spart sich dumm«: bei dieser Überschrift fällt zunächst auf, dass sie eigentlich im vollendeten Perfekt stehen müsste.




